Die Tagesstätte der Bürgerinitiative Stendal bietet seit vergangener Woche eine Hundetherapie für ihre Gäste mit Demenzerkrankung an. Caroline Rehmer, Mitglied im Flechtwerk Demenz, kam mit zwei Therapiehunden.

Stendal l Fast jeder hat im Laufe seines Lebens positive Erfahrungen mit Tieren gesammelt. Auf diesem Fakt baut auch die tiergestützte Intervention oder kurz Hundetherapie für demenzerkrankte Menschen auf. Was Familienangehörigen und geschultem Personal nicht mehr gelingt, können Therapiehunde möglich machen -Menschen mit Demenz wieder ein Stück ins Leben zurückzuholen. Auch bei Betroffenen, die sonst auf ihre Umwelt wenig oder gar nicht mehr reagieren, können Tiere als "Eisbrecher" eingesetzt werden und den Zugang erleichtern.

Auch die Tagesstätte der Bürgerinitiative Stendal bietet ihren Gästen die Möglichkeit, an der Hundetherapie teilzunehmen.

Arbeit mit Hunden seit neun Jahren

Caroline Rehmer (27) studiert an der Stendaler Hochschule Rehabilitationspsychologie im fünften Semester. Seit rund neun Jahren arbeitet die Studentin mit Hunden und bildet sie für den Familienbereich aus. Rehmer ist Vorstandsmitglied des Vereins "Borsteler Grund" und besitzt selbst zwei Hunde, Collierüde Farell eineinhalb Jahre und Colliemix Sancezz acht Jahre, die sie für den therapeutischen Gebrauch ausgebildet hat.

"Im ersten Semester bin ich durch eine Projektarbeit an der Hochschule auf das Flechtwerk Demenz aufmerksam geworden", erzählt die Studentin. "Im Rahmen des Flechtwerks Demenz hat sie die Leitung einer Gruppe übernommen. Seitdem leitet Rehmer die "tiergestützte Intervention". Es sei nicht immer leicht zu Demenzerkrankten einen Zugang zu finden. "Wir versuchen, die Menschen in ihren verschiedenen Lebenswelten abzuholen", sagt Rehmer

Seit März 2012 besucht die Gruppe einmal wöchentlich eine stationäre Pflegeeinrichtung mit demenzerkrankten Menschen. Ihre beiden Hunde, die einen Eignungstest abgelegt haben und sich durch ihr aufgeschlossenes und ruhiges Wesen auszeichnen, begleiten sie bei der Arbeit.

Geistige und emotionale Fähigkeiten fördern

Ziel der Hundetherapie ist es, die geistigen und emotionalen Fähigkeiten der Demenzerkrankten zu fördern. Das ist der Studentin durch den Einsatz von Sancezz und Farell bei den Gästen, die an der Hundetherapie teilnahmen, in der Tagesstätte gelungen. Beide Hunde sind sehr menschenbezogen und haben schnell einen Zugang zu den Gästen gefunden. Die Studentin animierte die Teilnehmer, die Hunde zu streicheln und anzufassen.

Höhepunkt der Therapiestunde waren die Wurfübungen mit Leckerlies. Die Teilnehmer waren aufgefordert, einmal mit der rechten und mit der linken Hand den Hunden das Futter zuzuwerfen. In den Gesichtern war sofort ein entspanntes Lächeln zu beobachten. Die Teilnehmer waren mit allen Sinnen dabei und konzentrierten ihre Aufmerksamkeit auf die Hunde. "Wir nutzen den sogenannten ,Niedlichkeitseffekt\' der Hunde", erzählt Rehmer. Dabei werden die Hunde zu "Eisbrechern". Und das Eis wurde zusehend schnell durch die vierpfotigen Fellknäule gebrochen, sodass eine angenehme Atmosphäre aufgebaut wurde, um im Anschluss mit den Betroffenen eine gute Basis für Gespräche über das Wohlbefinden aufzubauen.

Nicht jeder Hund sei dafür geeignet, erzählt Rehmer. Nur gutmütige, ruhige und sensible Tiere kommen für diese Aufgabe in Frage. "Dabei kommt es nicht auf die Rasse an, der Charakter ist entscheidend."