Ich war gespannt auf die Lesung mit Roman Grafe. Würde er der besserwisserische Aufklärer sein, der sich als Held, gar als Märtyrer darstellt und alle, die ein anderes Leben geführt haben, abkanzeln? Den Eindruck hatte ich von ihm gewonnen, wohl, weil er so oft in Leserbriefen so dargestellt wurde. So war es aber bei der Lesung keineswegs. Er stellte sich nicht als Helden dar, verneigte sich aber vor denen, die Widerstand geleistet haben. Er sagte nicht, dass in der DDR alles schlecht war. Aber er fokussierte. Es ging nicht um das Alltagsleben, die Musik, die Feiern, die Urlaubsreisen. Es ging auch nicht um sichere Arbeit, genügend Krippenplätze und niedrige Mieten. Es ging um die Unfreiheit, die Grenze, den Schießbefehl. Und daran war nun wirklich alles schlecht.