"Jetzt ist es ganz verrückt geworden", sagt Stadtratsmitglied Peter Jagolski im jüngsten Tangerhütter Bauausschuss. Er spricht vom neuen Telefonbuch "Das Örtliche", das derzeit allerorts kostenfrei zu bekommen ist. Doch für den Tangerhütter Bereich enthält es dicke Pannen. Jagolski rät vor allem Lüderitzer Bürgern, die alten Bücher zu behalten.

Tangerhütte l Peter Jagolski (SPD) ist schon so etwas wie ein alter Hase im Tangerhütter Stadtrat. Er interessiert sich auch für die kleinen Probleme am Rande, fragt nach und gibt nicht so schnell klein bei. Doch auch er glaubte, mit den Umbenennungen von gut 60 Straßennamen in der Einheitsgemeinde würde nun Ruhe einkehren. Seit Anfang des Jahres gelten die neuen Namen, die Schilder sind installiert. Das neue "Örtliche" beweist aber, dass es nicht so ist.

Als es nach der Einheitsgemeindebildung mehrfach um die Umbenennung doppelter Straßennamen ging, waren unter anderem Vertreter der Deutschen Post im Stadtrat zu Gast gewesen und hatten mit Verweis auf geltende DIN-Normen erläutert, dass nach der Einheitsgemeindeneubildung nur noch der Ortsname "Tangerhütte" für die Region gelte. Der Ortsteilname sollte demnach nicht mehr Bestandteil der Adresse sein.

Ende 2011 war das und der Stadtrat hatte sich gegen die Umbenennung der Straßennamen entschieden - auch aus Identitätsgründen für die 19 zusammengelegten Ortschaften. Wiederholte Probleme bei der Zustellung sorgten dafür, dass dieser Beschluss ein Jahr später dann doch gefällt wurde.

Lüderitz komplett Stendal zugeordnet

Dass sich auch Probleme bei der telefonischen Zuordnung ergeben könnten, damit hat aber bisher niemand gerechnet. Darauf gestoßen wurde Stadtrat Jagolski jetzt durch eine Kollegin aus Groß Schwarzlosen, die im neuen örtlichen Telefonbuch ihren eigenen Eintrag suchte und fand: in Stendal.

Ein kleiner Hinweis unter "Lüderitz" besagt, dass alle Lüderitzer Einträge unter "Stendal" zu finden seien. Doch dort tauchen sie komplett ohne die Lüderitzer Vorwahl 039361 (zu der auch umliegende Orte wie Groß Schwarzlosen gehören) auf. Im Fall seiner Kollegin sogar ganz ohne einen Hinweis auf den Ort, in dem sie wohnt. Dadurch, dass es auch in Stendal eine Tangermünder Straße gibt, sieht es nun so aus, als würde sie in Stendal wohnen, unter ihrer Nummer ist in Stendal aber niemand erreichbar. "Kein Anschluss unter dieser Nummer" bekommt der Anrufer zu hören. Auch das Lüderitzer Stadtratsmitglied Edith Braun ist dem neuen "Örtlichen" nach nun Stendalerin.

"Dass Lüderitz jetzt unter Stendal läuft, das macht die ganze Sache richtig verrückt!", sagt Jagolski. Er selbst hatte beim Verlag des "Örtlichen" angerufen und dort gehört, es habe einige Probleme bei den Vorwahlen gegeben, "aber das sei nicht rückgängig zu machen", habe es ihm gegenüber geheißen. Auch bei der Telekom hat er nachgehakt. Dort habe man sich auf den "Wunsch der Kommune" nach einem neuen Gemeinde-Vorwahlbereich bezogen, berichtet er. Diese Erklärung müsse von der Einheitsgemeinde richtiggestellt werden, findet Peter Jagolski und bat im Ausschuss um Kontaktaufnahme durch die Verwaltung.

Wer online im "Örtlichen" sucht, auch der muss sich auf Überraschungen gefasst machen. So wohnt der Stadtratsvorsitzende und Cobbeler Ortsbürgermeister Karl-Heinz Papenbroock - anders als im wahren Leben - nach dieser Übersicht nicht mehr in der Lindenstraße in Cobbel, sondern inzwischen gut acht Kilometer weiter, in Briest. Immerhin gibt es auch dort eine Lindenstraße.