Den kulturellen Höhepunkt im Jubiläumsjahr "120 Jahre Uchtspringe" markierte am Freitag das Gastspiel des Liedermachers Gerhard Schöne. Für große und kleine Leute sang er bei zwei Sonderkonzerten im Gesellschaftshaus und gab dabei Einiges aus seinem Leben preis.

Uchtspringe l Wenn Gerhard Schöne seine Kinderkonzerte gibt, dann müssen die kleinen Zuhörer nicht mucksmäuschenstill auf ihren Plätzen sitzen. Mitsingen, mitklatschen, zurufen, aufstehen und einfach tanzen - das ist bei Schönes Konzerten nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht. Und so machte es das Publikum am Freitagnachmittag im Uchtspringer Gesellschaftshaus auch. Die Mädchen und Jungen sangen den Refrain der verschiedenen Lieder mit, erhielten Rollen und viele der Allerjüngsten tanzten im Gang zwischen den Sitzplatzreihen.

Manche Lieder sind inspiriert von Erlebnissen, die ich hatte. Bei sechs Kindern hat man davon eine Menge"

Gerhard Schöne

Zum Publikum gehörten junge Patienten aus der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Fachklinikum Uchtspringe sowie Schöne-Fans aus der Region. Begeistert lauschten sie bekannten Liedern wie "Jule wäscht sich nie" oder "Popel" aber auch zahlreichen anderen Titeln.

Viele seiner Lieder sind Adaptionen und Übersetzungen von Kinderliedern aus anderen Ländern. Gern singt Schöne auch Lieder in der Originalsprache. So brachte er ein finnisches Kinderlied zu Gehör, bei dem er den Wind mit einem geräuschvollen Pusten simulierte. Für viele Kinder war klar, dass es sich dabei um ein Lied über eine Segelschifffahrt handeln müssen. Aber nein. Schönes Auflösung: Das Lied handelte von kleinen Schafkötteln, die der Wind fortweht. Mit solchen und ähnlichen Geschichten brachte Schöne nicht nur die Kinder zum schmunzeln. Schöne greift auf, was Kinder bewegt - ohne erhobenen Zeigefinger.

Andere Lieder haben autobiografische Züge in sich. "Manche Lieder sind inspiriert von Erlebnissen, die ich hatte. Bei sechs Kindern hat man davon eine Menge", schildert der Künstler. Für die Themen seiner Lieder erinnert sich Schöne oft an seine Kindertage zurück. "Ich greife auf, worüber ich mich als Kind gefreut oder geärgert habe." In Uchtspringe ließ er sein Publikum daran teilhaben, wie er einst seine erste Zigarre heimlich rauchte.

Und wieder andere Lieder erzählen wunderbare Geschichten, die nachdenklich stimmen und doch Hoffnung geben und eine glückliche, zuweilen auch lustige Wendung nehmen. Wie die Geschichte vom "Meeresbezwinger Thomas".

Für die Allerjüngsten im Publikum sang Gerhard Schöne ein Medley bekannter Kinderlieder, allerdings in abgewandelter Form. Und, wie es Tradition bei Gerhard Schöne ist, sang er für die Eltern im Publikum ein Lied aus seinem Programm für Erwachsene. Ebenso erklang beim Abendkonzert für die Erwachsenen ein Kinderlied. Wer am Freitag Lust hatte, beide Konzerte zu besuchen, konnte feststellen, dass er kein Lied an diesem Tag doppelt hörte.

Eine ungewöhnliche Mischung aus Nonsens und Hintersinn, aus Fröhlichkeit und Traurigsein, Erbauung und Zorn verabreichte Gerhard Schöne am Abend seinem erwachsenen Publikum beim Konzert "Ich pack´ in meinen Koffer". Es war eine Einladung zum Spaß haben und zum Nachdenken, zum Mitmachen und gut Zuhören. Im Gepäck hat er auch sein aktuelles Album "Die Lieder der Briefkästen". Es sind ernsthaftere Geschichte, die Schöne für den Abend vorbereitete. "Ich sehe mich als einen singenden Geschichtenerzähler", sagte der Liedermacher im Volksstimme-Gespräch. Das Lied "Ich pack´ in meinen Koffer" spielt mit der Assoziation des alten Spiels um das Kofferpacken, bei dem immer ein Gegenstand dazu kommt. Schöne packt in seinen imaginären Koffer des Lebens alles, was er über die Jahre mit sich mitschleppt von seinen Erfahrungen bis hin zur Zahnprothese. Vor dem Himmelstor fliegt letztendlich doch wieder alles hinaus. Nichts wird mitgenommen. Die Lieder dieser Abendvorstellung gaben jeweils einen Stichpunkt für das Thema des folgenden Liedes.

"Ich greife auf, was mich als Kind gefreut der geärgert hat"

Gerhard Schöne

Die Sonderkonzerte von Gerhard Schöne sind Bestandteil der Uchtspringer Veranstaltungsreihe "Mittendrin wir", eine Initiative des Salus-Fachklinikums Uchtspringe sowie des Fördervereins "Psychiatrie in Geschichte und Gegenwart". Sie steht seit 2001 unter Schirmherrschaft von Herbert Grönemeyer und will dazu beitragen, dass psychisch kranke Menschen und ihre Angehörigen offen mit der Erkrankung umgehen können. Dabei wird nicht nur auf Information und Aufklärung gesetzt, sondern vor allem auf Kommunikation und Begegnung, etwa bei Kulturveranstaltungen.

 

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