Stendal l Das Landgericht Stendal hat einen 27-jährigen Mann aus Warnow (Mecklenburg-Vorpommern) wegen gefährlicher Körperverletzung zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt und die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss er 1200 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Er gehörte laut Vorsitzender Richterin Simone Henze-von Staden zu einer insgesamt neunköpfigen "Horde von mit Dachlatten bewaffneten Leuten, die sich auf einen Feldzug begeben" hatten.

Das Ganze hat sich demnach am Rande des Havelberger Pferdemarktes 2012 abgespielt. Dabei sind ein friedliebender Marktbesucher lebensgefährlich und ein weiterer leicht verletzt worden. Sieben Männer und eine Frau, allesamt aus Mecklenburg-Vorpommern, sind im März deshalb schon zu Bewährungsstrafen zwischen zwölf und 16 Monaten verurteilt worden (die Volksstimme berichtete). Der verbliebene Angeklagte war nicht vor Gericht erschienen. Sein Prozess war darum abgetrennt und der 27-Jährige kurzzeitig in Haft genommen worden.

Zum Hergang: Zwei der neun Angeklagten, die am 29. August 2012 am Rande der B 107 auf einem während des Pferdemarktes zum Campingplatz umfunktionierten Parkplatz ihr Quartier aufgeschlagen hatten, fühlten sich von einer in ihrer Nachbarschaft kampierenden Gruppe, bestehend aus drei Männern und einer Frau, eine davon schwanger, abgewiesen und gedemütigt. Stark alkoholisiert hatten die beiden Angeklagten versucht, den Nachbarn ein Gespräch aufzudrängen. Die aber wollten unter sich bleiben. Es kam zum Eklat und zu ersten Rangeleien. Die beiden Angeklagten trollten sich zu ihrer Gruppe. Nicht ohne zuvor anzudrohen, dass sie "wiederkommen und den Wohnwagen abbrennen" würden. Laut Staatsanwaltschaft "rotteten sie sich dann zusammen, um Faustrecht walten zu lassen". Zu neunt griffen sie zu je 90 Zentimeter langen Dachlatten, "um das zu klären". Infolge der Schläge mit den Dachlatten musste ein damals 56-jähriger schwer Verletzter ins künstliche Koma versetzt und beatmet werden. Laut Rechtsmedizinerin Dr. Katja Jachau waren seine Verletzungen "akut und potenziell lebensgefährlich".

Der jetzt vor Gericht stehende Angeklagte gab an, dass er wohl in der Meute dabei gewesen sei und auch eine Dachlatte in der Hand gehalten habe, geschlagen hätte er aber nicht.

Bislang hat der 27-Jährige bis auf eine Trunkenheitsfahrt 2010 keine Voreintragungen im Strafregister. Am Tattag habe er reichlich dem Alkohol zugesprochen, wie die anderen auch. Allesamt hatten die neun Täter (amtlich festgestellt) zwischen zwei und drei Promille Alkohol im Blut.

Der Angeklagte nahm das Urteil noch Gerichtssaal an.