Sie heißen Atate, Conference oder Christ Williams und sind zu fast jeder Jahreszeit in deutschen Supermärkten erhältlich. Birnensorten gibt es jedoch noch weitaus mehr, auch in der Altmark. Um die scheinbar vergessenen Sorten wieder ins Bewusstsein zu bringen, fand gestern der 1. Altmärker Birnentag auf dem Gutshof Welle statt.

Welle l "Die Birne spielte historisch eine bedeutende Rolle. Es war das feine königliche Obst und steht heute in Frankreich noch an erster Stelle", sagte gestern Brita Götz-Mohr vom Bismarckschen Gutshof in Welle. Auch hierzulande will sie wieder an die Bedeutung dieses Obstes erinnern und hat deshalb gemeinsam mit Kräuterfrau Ruth Schwarzer aus Klötze den 1. Altmärker Birnentag ins Leben gerufen. Zahlreiche Gäste kamen gestern nach Welle, um mehr über seltene Sorten wie Alexander Lucas, Gräfin von Paris oder auch Madame Verte zu erfahren.

"Schon als Kind konnte ich die Bäume kaum umgreifen."

Ruth Schwarzer Kräuterfrau aus Klötze

"Schon als ich Kind war, konnte ich die Bäume nahe meines Elternhauses kaum umgreifen", berichtete Ruth Schwarzer von den inzwischen 140 Jahre alte Birnbäumen, die immer noch in der Bahnhofstraße in Berkau wachsen und gedeihen. Seit vielen Jahren ist sie von diesem Obst fasziniert und hat zusammen mit anderen Baumfreunden begonnen, Birnenbäume rund um Kalbe zu erfassen. Dabei hat sie schon über 40 Sorten entdeckt. Darunter sind auch sehr viele alte Sorten, die ihr erstes Jahrhundert schon hinter sich haben.

Durch die unterschiedlichen Vegetationszeiten und die richtige Lagerung können Konsumenten fast das ganze Jahr lang Birnen genießen. Dabei seien die Früchte nicht nur zum Verzehr da, sondern auch eine gute Basis für Kuchen, Marmeladen, Mus, Most und auch Wein. Das wurde nicht nur theoretisch behandelt, sondern konnte am Stand vom Lindenhof oder auch von Gerlindes Marmeladen probiert werden.

Der gestrige Thementag soll der erste Mosaikstein für die weitere Arbeit eines geplanten Freundeskreises heimischer Birnen sein. Dafür suchen Schwarzer und Götz-Mohr noch Mitstreiter.

Seitens des Landes wurden gestern für den Erhalt der Sorten Hilfen angeboten. So gibt es am Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Quedlinburg eine Gendatenbank. Dort sollen auch die alten altmärkischen Sorten aufgenommen, so dass sie auch wieder rekultiviert werden können. In Welle plant Götz-Mohr einen Birnengarten. Der Altmärker Birnentag soll 2015 fortgesetzt werden. Wer die Initiatoren unterstützen möchte, erhält unter 0177/4490295 oder unter landkulturwelle@aol.com weitere Informationen.

   

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