Vor zehn Jahren nahm das Zellstoffwerk Stendal seinen Betrieb auf. Das wurde am Donnerstag gefeiert. Zu den Gästen gehörten Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Firmenchef Jimmy Lee.

Arneburg l Reiner Haseloff war bestens gelaunt. Gerade eben hatte er im Landesarbeitsamt verkündet, dass die Arbeitslosenquote erstmals seit der Wiedervereinigung unter zehn Prozent gefallen war, nun konnte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident dem Zellstoffwerk Stendal zum zehnten Geburtstag gratulieren. Verpasst hatte er allerdings die zahlreichen Grußworte.

Etwa jenes von Geschäftsführer André Listemann, der sich an die vielen Skeptiker erinnerte, die dem Projekt zu Beginn gegenübergestanden hatten und sich darüber freute, "dass der Enthusiasmus und schöpferische Geist noch immer zu spüren sind, wenn man mit Mitarbeitern von damals spricht".

Höhere Produktion als geplant

Im Mittelpunkt habe immer die Effektivität der Maschinen gestanden, die mittlerweile 670000 Tonnen Zellstoff produzieren können, mehr als ursprünglich vorgesehen. Am 7. September wurde die sechstmillionste Tonne hergestellt.

Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens (CDU) begann sein Grußwort auf Englisch, schließlich war auch der Präsident des kanadischen Mutterkonzerns Mercer, Jimmy Lee, angereist. "Wie gut, dass Sie gekommen sind", meinte Aeikens, "wenn hier ein AKW gebaut worden wäre, hätte es schon wieder abgerissen werden müssen." Eine Milliarde Euro sei in den Bau investiert worden, der Standort Stendal mache einen Umsatz von 350 Millionen Euro jährlich. "Das sind Kennziffern, auf die Sie stolz sein können", lobte der Minister.

Firmenchef Lee hielt seine gesamte Rede in Englisch, doch war wohl allen Zuhörern klar, was er meinte. "Ohne das Engagement der Mitarbeiter wäre das hier nicht möglich gewesen", bedankte er sich. Dieses Werk repräsentiere den Sieg des Unternehmergeistes über Zweifel. Niemand hätte allerdings die Veränderungen vorhersehen können, die es in den vergangenen zehn Jahren gegeben habe. Mit dem gegenüber dem Dollar erstarkten Euro und der globalen Finanzkrise nannte er zwei Beispiele. Veränderungen, die Zellstoff Stendal gemeistert habe und nun für neue Herausforderungen bereit sei.

Mitarbeiter erinnerten an Anfangstage

Nicht nur die Chefs, sondern auch die Mitarbeiter kamen bei der Feierstunde zu Wort. Eberhard Dobschall, Andreas Demski, Knut Kintzel und Steffen Ratzlow erzählten Anekdoten und Episoden aus dem ersten Jahrzehnt Zellstoffwerk. So erfuhren die Zuhörer, dass in der Anfangszeit das Zellstoff-Blau mit Stolz getragen wurde, auch außerhalb der Arbeit - bis das vom Personalchef verboten wurde. Und es gab eine Menge Zahlen. So bedeuten die sechs Millionen Tonnen Zellstoff auch 24 Millionen Ballen, die aneinandergereiht halb um den Erdball reichen. Ziel sei es, mit 18 Jahren einmal um die Erde gekommen zu sein. Bislang wurden 30 Millionen Festmeter Holz verarbeitet, angeliefert per Lkw, Bahn und Schiff. Während die Herstellung der ersten Million Tonnen Zellstoff 757 Tage gedauert habe, seien für die sechste Million nur 562 Tage notwendig gewesen, nicht zuletzt eine neue Hackschnitzelsortierung habe das möglich gemacht.

Dies alles hatte Ministerpräsident Haseloff verpasst, als er um kurz vor 12 Uhr in die Empfangshalle von Zellstoff kam. Doch beseelt von den guten Arbeitsmarktzahlen stellte er sich auf einen Block Zellstoff, freute sich bei der Geburtstagsfeier "im schönsten Zellstoffwerk der Welt" zu sein, erinnerte an den Impulsgeber Harald Gatzke und setzte darauf, zum 20. Geburtstag noch schneller vor Ort sein zu können - bis dahin soll die Autobahn nämlich gebaut sein.