In neun Tagen feiert Karl-Heinz Thoma seinen 75. Geburtstag. Der Maler und Grafiker aus Tangermünde hat sich selbst ein Geschenk gemacht. Mit Unterstützung des Museumsvereins eröffnete er am Sonnabend in der Salzkirche eine Personalausstellung - eine kleine Auswahl seines umfangreichen Schaffens ist hier zu sehen.

Tangermünde l Die Geschichte zeigt, dass viele Größen ihres Faches erst dann Anerkennung erfuhren, als sie es selbst nicht mehr miterleben durften. Maler, Musiker, Schriftsteller könnten an dieser Stelle aufgezählt werden. Doch nicht nur früher, auch heute tut sich die Gesellschaft oft schwer damit.

Thoma gehört zu den Großen der Künstlerszene"

Da ist es gut, wenn jemand kommt, der Abstand hat und doch Verbundenheit vorweisen kann. Wolf Hartmann übernahm diese Rolle am Sonnabend auf ganz wunderbare Weise während der Ausstellungseröffnung mit Werken von Karl-Heinz Thoma in der Salzkirche. Hartmann, zweifacher Doktor und zudem Professor, Tangermünder "Kind", doch inzwischen international unterwegs, rückte den Künstler der Kaiserstadt in ein Licht, wie es bisher noch niemand an dieser Stelle getan hatte. Zunächst nannte er es "eine besonder Ehre", hier sprechen zu dürfen. Dann setzte er, mit Welten- und Kennerblick fort: "Kalle, du warst immer damit zufrieden, der Maler der Tangermünder zu sein. Doch für mich gehörst du zu den Großen der Künstlerszene."Hartmann, unter anderem Mitglied der Europäischen Akademie für Wissenschaften und Künste in Salzburg, bezeichnete den bescheidenen Künstler als "ein ausgesprochenes Naturtalent", das in der Lage wäre "mit großen deutschen Malern mitzuhalten". Und er - der Sammler von Werken Karl-Heinz Thomas - betonte mit Blick auf die Verantwortlichen der Stadt: "Sie wären gut beraten, einem so großen Sohn einen Platz einzuräumen."

Wolf Hartmann, der an einem Buch über Thoma arbeitet, sagte: "In Berlin würde an den Bildpreisen mindestens eine Null mehr hängen." Er ermutigte, nein, er ermahnte ihn, darüber nachzudenken. Denn: "Karl-Heinz Thoma wird in der Kunstszene mit dem englischen Maler William Turner verglichen." Und dieser werde auch als der "Meister des Lichts" bezeichnet.

In zwei Systemen freiberuflich erfolgreich

"Ein Künstler im Systemwechsel" soll das Buch über Thoma heißen. Der Grund: "In beiden Systemen hat es Thoma geschafft, freiberuflich erfolgreich zu sein", sagte Hartmann. "Und was ich hier heute sehe, hat mich kolossal überrascht", fügte er hinzu. Nach wie vor gibt es von Thoma neue, gesellschaftskritische Werke, aber auch Arbeiten, die mit Techniken entstanden sind, die Thoma für sich wiederentdeckt hat.

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