Stendal l Sie sollen einen harmlosen Reisenden in einem Zug von Stendal nach Wolfsburg brutal geschlagen, getreten, gebissen und ausgeraubt haben. Seit Freitag müssen sich drei Männer im Alter von 25, 31 und 32 Jahren vor dem Landgericht in Stendal wegen Raubes und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Sie sollen sich am 13. August vorigen Jahres auf dem Weg aus ihrem Heimatland Polen ins niederländische Amsterdam befunden haben.

Laut Anklage sollen sie nach dem Konsum von Alkohol und illegalen Drogen in einer Regionalbahn von Stendal nach Wolfsburg von einem unterwegs zugestiegenen Fahrgast Geld und Zigaretten gefordert haben. Als dieser der Aufforderung nicht Folge leistete, soll der 31-Jährige dem heute 30-jährigen Opfer zahlreiche Schläge mit der Hand ins Gesicht verpasst haben.

Dem 32-Jährigen wirft die Anklage vor, das Opfer von hinten gewürgt zu haben. Auf das zu Boden gegangene Opfer haben laut Anklage alle zusammen eingeschlagen und -getreten. Einer soll dem Opfer in den Oberarm gebissen haben. Der 30-Jährige habe daraufhin seine Geldbörse fallen lassen. Die Angeklagten sollen diese an sich genommen und daraus mindestens 200 Euro entnommen haben.

Nach dem Erreichen des Bahnhofs Gardelegen (Altmarkkreis Salzwedel) nahm das Opfer die Verfolgung der ausgestiegenen Täter auf, um an sein Geld zu gelangen. Die attackierten ihn erneut. So soll der 31-Jährige versucht haben, ihm das Handy abzunehmen, was aber durch die von einem Mitreisenden alarmierte Polizei verhindert wurde.

Die Gewaltaktion und der Raub im Zug wurden von mehreren Kameras festgehalten. Dazu existiert ein schriftliches Geständnis des 25-Jährigen, der aus der Untersuchungshaft einen Brief an seinen Onkel schrieb, aus dem Richter Ulrich Galler, Vorsitzender der 2. Strafkammer, zum Prozessauftakt zitierte, dass die drei "aus Geldmangel einen einsamen Mann im Zug ausgeraubt" hätten. Der 25- und der 32-Jährige äußerten sich am ersten Verhandlungstag "vorläufig nicht" zu den Vorwürfen. Der 31-Jährige legte ein Teilgeständnis zum versuchten Handy-Raub in Gardelegen ab. Er räumte auch eine Körperverletzung im Zug ein, weil sich das Opfer geweigert hätte, "zwei Euro zu spenden". Er habe sich darüber geärgert, dass der Mann "nicht ein paar Euro übrig hatte". Vom Raub einer Geldbörse mit 200 Euro wisse er nichts. Ein Raub sei auch nicht geplant gewesen. Am 13. Februar wird der Prozess fortgesetzt. Für den 13. März werden Plädoyers und Urteil erwartet.