Stendal l Es ist kurz vor 11 Uhr, als Elfi Baumann ans Mikrophon tritt. "Sucht euch schon mal einen Platz, damit wir pünktlich anfangen können." Die Frauen sortieren sich. Mehr als 250 sind es, die sich nun auf dem Stendaler Marktplatz verteilen, jeweils nur eine Armlänge voneinander entfernt stehen. Mehr Platz brauchen sie auch nicht, wissen die Frauen und Mädchen, denn die Choreografie zu dem, was Minuten später folgt, haben sie alle in den Tagen und Wochen zuvor einstudiert. Viele von ihnen gemeinsam mit Elfi Baumann, oder mit den von der "TV-Popcorn"-Chefin darin unterwiesenen Übungsleiterinnen.

Gelungene Premiere

Dieses Mal ist das tanztrainerische Engagement von Elfi Baumann allerdings nicht ihrem Wirken als Vorsitzende jenes Stendaler Turnvereins geschuldet. Die Stendaler Projektgruppe "Gemeinsam gegen Gewalt" hat den Kreissportbund, das Bündnis für Familien und das Projekt "Menschlichkeit und Toleranz im Sport" mit ins Boot geholt, damit an diesem Sonnabend von Stendal aus ein Signal in die Welt geschickt werden kann - auch von Stendal aus, denn an dieser Aktion namens "One Billion Rising" (Eine Milliarde erhebt sich) beteiligen sich mehr als 180 Städte deuschlandweit. Überall dort tanzen Frauen am 14. Februar, zeigen Flagge gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. In Stendal sind übrigens auch Männer - wenn auch wenige - unter denen, die ihren Protest tanzend zum Ausdruck bringen wollen.

Die Uhr am Rathaus zeigt die volle Stunde, als Musik aus den Lausprechern tönt. Zu den Takten, die der Song "Break the chains" (Sprengt die Ketten) vorgibt, kommt die Masse in Bewegung. Schritt nach links, Schritt nach rechts, Arme in die Höhe, klatschen, halbe Drehung, nach vorn gebeugt... Die Vortänzer auf den Podesten an jeder Seite des Marktplatz-"Parketts" helfen den Tanzenden, sich zu synchronisieren. Nach sechs Minuten, die der Titel dauert, klatschen die Tänzerinnen Beifall.

Es ist das erste Mal, dass sich Frauen in Stendal an der jährlich am 14. Februar stattfindenden "One Billion Rising"-Protestaktion beteiligen. Aus der ganzen Altmark, von Salzwedel im Westen bis Kehnert im äußersten Süden, sind sie auf den Stendaler Marktplatz gekommen.

Beifall für Frauen und die Idee, für die sie tanzen

"Habt ihr Kraft für noch eine Runde?", fragt Elfi Baumann. Die Frauen haben. "Tanze, steh auf... wir sind wundervolle Wesen... tanze um die ganze Welt, tanze für Gerechtigkeit - One Billion Rising". Die Hymne der Kamapagne geht ins Ohr. Am Ende sind es drei Tanzrunden und der Applaus kommt nun auch von den vielen Zuschauern, die sich rund um den Platz eingefunden haben - Beifall für die Tänzerinnen und für die Idee, für die sie hier tanzten.

Flashmob gegen Gewalt an Frauen

Stendal (eg) l One Billion Rising - Frauen tanzen gegen Gewalt an Frauen. Am Sonnabend vereinte diese besondere Protestaktion erstmals mehr als 250 Frauen und Mädchen, und auch einige Männer, aus der ganzen Altmark auf dem Stendaler Marktplatz.

  • Flashmob auf dem Stendaler Marktplatz. Fotos: Egmar Gebert/Gerhard Draschowski

    Flashmob auf dem Stendaler Marktplatz. Fotos: Egmar Gebert/Gerhard Draschowski