Der Mindestlohn stieg und damit die Kosten für die Unterbringung von Fundtieren im Stendaler Tierheim. Der Tangerhütter Stadtrat wollte diese Kröte aber nicht schlucken und lehnte einen Vertrag mit der Einrichtung ab.

Tangerhütte l Knapper hätte das Ergebnis nicht sein können. Mit 13 Ja- und 13 Nein-Stimmen bei einer Enthaltung gilt der Beschluss als abgelehnt. Damit kommt ein Vertrag zwischen der Stadt Tangerhütte und dem Altmärkischen Tierschutzverein erst einmal nicht zustande. Fakt ist allerdings, dass das es eine Pflichtaufgabe der Kommune ist, sich im Rahmen der Gefahrenabwehr um herrenlose Hunde und Katzen zu kümmern.

Bisher nahmen die Mitarbeiter des Stendaler Tierheimes der Stadt Tangerhütte diese Arbeit ab und sie bekamen nicht wenig Geld dafür. Nun sollte der Satz noch einmal um satte 37 Prozent erhöht werden. 1,93 Euro pro Bürger verlangt der Tierschutzbund für den Service und begründet die Steigerung mit der Einführung des Mindestlohnes. Weitere Kosten kämen auf die Kommune zu, wenn als gefährlich eingestufte Hunde unterzubringen wären.

Über 20000 Euro wollen die Stadträte allerdings nicht pauschal zahlen. Noch dazu, wo im vergangenen Jahr gerade einmal 26 Hunde und Katzen aus dem Einzugsbereich betroffen waren. Rückmeldungen darüber, wie viele der Tiere nach kurzer Zeit wieder von ihren Besitzern in Empfang genommen wurden, gibt es nicht.

Weißewarte ist keine schnelle Alternative

Einheitsgemeindebürgermeister Andreas Brohm plädierte angesichts der Tatsache, dass es sich um eine Pflichtaufgabe handelt, vor der Abstimmung dafür, dem Beschluss zuzustimmen. Es sei bereits gelungen, den ursprünglich veranschlagten Satz herunterzuhandeln. Denn zuerst habe der Tierschutzverein 2,02 Euro je Bürger verlangt.

Allerdings gab der Bürgermeister zu verstehen, dass auch er mit diesem Vertrag ein Problem habe. Brohm sprach vom "Markt Tierheim", der derzeit in der Region konkurrenzlos von Stendal aus bedient werde. Man müsse nach Alternativen suchen, das brauche aber seine Zeit. Anfragen der Kommune bei den Tierheimen in Gardelegen beziehungsweise in Wolmirstedt blieben bisher unbeantwortet.

Als eventuelle Alternativen nannte Marcus Graubner (CDU) den Wildpark in Weißewarte beziehungsweise den Pferdegnadenhof in Cobbel. Gegenwind kam aus der eigenen Fraktion von Detlef Radke. Im Wildpark gebe es derzeit weder die baulichen noch die personellen Voraussetzungen. Auch Brohm lehnte Behelfslösungen ab. Es reiche nicht, irgendwo einen Zwinger hinzusetzen. Es müssten gesetzliche Auflagen eingehalten werden.

Frank Dreihaupt (Südliche Altmark) regte an, nur für wirklich aufgenommene Tiere zu zahlen. Brohm winkte ab, darauf lasse sich das Tierheim nicht ein, die Einrichtung bestehe auf einer Pro-Kopf-Pauschale.

Peter Jagolski (SPD) thematisierte, dass im Tierheim ausschließlich Hunde und Katzen Unterschlupf finden. In diesem Zusammenhang erinnerte er an die vor wenigen Monaten in Tangerhütte aufgetauchte Schlange, für deren Wohlergehen sich die Stendaler Tierschützer als nicht zuständig erklärten. Wolfgang März (Die Linke) kritisierte, dass vonseiten des Altmärkischen Tierschutzbundes keine vernünftige Kalkulation vorgelegt werde. Edith Braun (Wählergemeinschaft Lüderitz) bemängelte den juristisch nicht korrekten "Allerweltsvertrag".

Wie und wo nun die Fundtiere aus der Einheitsgemeinde untergebracht werden, steht vorläufig in den Sternen. Also liebe Bürger: Hunde sind bitte an der Leine zu führen!