Magdeburg/Stendal l Während vor dem Landgericht Stendal inzwischen etliche Termine zu zivilrechtlichen Auseinandersetzungen im Stendaler Sparkassenskandal anberaumt sind, dürfte sich die strafrechtliche Aufarbeitung der Vorwürfe noch über Monate hinziehen, bis konkrete Ergebnisse vorliegen. "Die Ermittlungen dauern an", erklärte Frank Baumgarten, Sprecher der Staatsanwaltschaft Magdeburg, jetzt auf Nachfrage.

Erstmals jedoch bestätigte der Sprecher Volksstimme-Recherchen, dass die Staatsanwaltschaft "gegen drei namentlich bekannte Beschuldigte (zwei ehemalige leitende Mitarbeiter der Kreissparkasse Stendal und ein Bauunternehmer)" ermittelt. Dabei handelt es sich neben Ex-Sparkassenchef Dieter Burmeister um den langjährigen Abteilungsleiter Gerhard U. und den Bauunternehmer Hans-Joachim M.

Kreditvergaben und Bauaufträge im Fokus

Wie der Sprecher weiter bestätigte, stehen "Untreue- und Korruptionsstraftaten in Zusammenhang mit Kreditvergaben und Aufträgen zu Baumaßnahmen" im Mittelpunkt der Ermittlungen, die bereits im Oktober 2013 begonnen hatten. Baumgartern: "Ein Verfahrensabschluss ist nicht absehbar, zumal auch das Beweisergebnis von - parallel laufenden - Zivilrechtsverfahren in die staatsanwaltliche Bewertung einfließen wird."

Überlagert wird das Verfahren zudem von einer Strafanzeige wegen (versuchten) Prozessbetruges. So sollen "prozessbeteiligte Personen der Kreissparkasse Stendal" in einer arbeitsgerichtlichen Auseinandersetzung falsche Behauptungen aufgestellt haben. "Hier muss der Ausgang des Verfahrens vor dem Arbeitsgericht abgewartet werden, um eine abschließende Bewertung vornehmen zu können", so der Sprecher.

Geheimnisverrats-Anzeige hat wohl kaum Erfolg

Kaum Aussichten auf eine Anklage dürfte dagegen die Anzeige des Sparkassen-Verwaltungsratsvorsitzenden Carsten Wulfänger (CDU) gegen Unbekannt wegen Verrat von Dienstgeheimnissen haben. Der Landrat hatte diese im Auftrag des Sparkassen-Kontrollgremiums eingereicht, nachdem die Volksstimme detailliert über die genauen Vorwürfe gegen Burmeister und Co. berichtet hatte. In dem Gremium wurde vermutet, dass interne Prüfberichte der Sparkasse "an unbefugte Dritte" weitergegeben worden sind.

"Auch hier dauern die Ermittlungen an", erklärte Baumgarten. Größere Erfolgsaussichten für die Strafanzeige, die Wulfänger Kritik - unter anderem vom Deutschen Journalistenverband - eingebracht hatte, gibt es offenbar nicht. Der Sprecher merkte jedenfalls an, es sei "bereits jetzt festzustellen, dass der Kreis der ,Informierten` so groß war, dass ein Täter schwer zu ermitteln sein dürfte".