Stendal l Stendal-Stadtsee, Freizeitpark "The Blue Backyard" (Der blaue Hinterhof). Kinder und Jugendliche im Alter von sieben bis etwa 23 Jahren treffen sich hier. "Tach", "Hi", "Wie steht`s", "Was macht die Welt" floskeln sie herum. Im Schlepptau haben sie Skateboards oder Fahrräder, genauer gesagt: BMX-Räder, also nichts zum gepflegten Durch-die-Stadt-Fahren, sondern zum "Rumcrossen", wie sie es nennen. Der blaue Hinterhof ist nämlich nicht irgendein Platz, sondern Stendals Skatepark.

Hier treffen sich all jene, die Freude an waghalsigen Stunts haben und an den verschiedenen Rampen und Hinternissen im Gelände gefährliche Techniken mit ihren Rädern ausprobieren wollen. "Wo ist dein Helm?", ruft auf einmal Philipp Stephan einem Jüngeren zu, der gerade mit seinem Fahrrad oder "Bike", wie es die Jugendlichen nennen, die Rampe hochfahren will. "Ohne Helm ist das zu gefährlich. Sonst kannst du hier nicht fahren." Auch Dennis Bügelsack kümmert sich gerade um einen Jugendlichen, der mit seinem Bike neue Tricks probieren will. Der 23-jährige Erzieher gibt nicht nur Hinweise zur Technik, sondern vor allem zur Sicherheit des Bikers. "Sicherheit geht vor. Das ist schon ein gefährlicher Sport", sagt er.

Seit knapp vier Jahren kümmern sich Dennis Bügelsack und Philipp Stephan im Stendaler Skatepark an der Erich-Weinert-Straße um die Kinder und Jugendlichen, die dort täglich ihre Freizeit verbringen, aber auch um die Anlage selbst. "Es ist sehr ärgerlich, wenn man an einem Tag alles saubermacht und über Nacht wurde dann alles wieder vollgemüllt. Das passiert leider oft." Aber nicht nur für Sauberkeit haben die beiden einen Blick, sondern auch darauf, dass alles rechtmäßig ist und vor allem: heile! "Das ist total wichtig, dass die Rampen heile sind. Stellen Sie sich vor, die Kleinen heizen mit ihren Bikes darüber und die Dinger brechen zusammen, weil irgendwelche Schrauben locker sind oder Rost alles zerfrisst. Das geht nicht", sagt Dennis Bügelsack.

Knochenbrüche und Krankenhausaufenthalte

Er selbst hat mehrere Knochenbrüche davongetragen. Auch Philipp Stephan hat schon mehrfach wegen seines Hobbys im Krankenhaus gelegen. "Aber ohne kann ich nicht. Das ist meine Leidenschaft", sagt der 23-jährige Anlagenfahrer. Wenn etwas kaputt ist, melden die beiden Jugendlichen es dem Bauhof. Der Skatepark liegt in der Verantwortlichkeit der Stadt Stendal, die damit auch in der Pflicht ist, sich um die Reparatur der Gerätschaften zu kümmern. "Behördenwege", sagt Bügelsack, "da muss man Geduld haben."

Dennoch sei die Zusammenarbeit mit der Stadt gut. Sie unterstützt die Jugendlichen sogar bei ihrem größten Projekt: dem BMX-Contest, der bereits vier Mal in Stendal stattgefunden hat. Hier zeigen jährlich bis zu 30 Teilnehmer, was sie an den Rampen alles draufhaben. Und sie kommen nicht nur aus Stendal, sondern auch aus dem Umland, sogar aus Wittenberge, Halberstadt und Nauen sind einige angereist und haben an den Rampen mit spektakulären "Figuren" um die besten Punkte gewetteifert. Auch in diesem Jahr soll es den Contest geben, wann, ist noch unklar. Erst müssen sich noch Sponsoren finden.

Das dauert nun mal, wenn man Vollzeit arbeitet und so ganz nebenbei sein Hobby zu einem wichtigen, sportlichen Event in Stendal etabliert hat.

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