Von Wolfgang Biermann

Stendal l Ein "Rosenkrieg" zwischen zwei Noch-Eheleuten in der Einheitsgemeinde Bismark soll in ein Verbrechen gemündet haben. Der Fall wird derzeit am Amtsgericht in Stendal in einem Strafprozess verhandelt. Eine Mittdreißigerin ist angeklagt, die Elektroanlage in dem ihr gehörenden, aber seinerzeit vom Noch-Ehemann allein bewohnten Haus im April vorigen Jahres derart manipuliert zu haben, dass daraus hätte ein Brand entstehen können. Versuchte schwere Brandstiftung, darauf lautet die Anklage. Und die stellt laut Oberstaatsanwältin Brigitte Strullmeier das Gesetz als Tatbestand im Strafmaß der vollendeten Brandstiftung gleich: Mindeststrafe ein Jahr bis 15 Jahre Haft.

Die Angeklagte bestritt vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Thomas Schulz beim Prozessauftakt jegliche Schuld. Demnach hätte sie Ende März das Haus mit ihren Kindern verlassen und sei ins Stendaler Frauenhaus gegangen, nachdem ihr Mann zum wiederholten Mal auf sie "losgegangen" sei und sie ausgesperrt hätte. Im April hätte sie gar keinen Zugang mehr zum Haus gehabt, weil ihr Mann die Schlösser ausgetauscht habe. "Die ganze Geschichte dient nur dazu, mir eines auszuwischen", ist sie sich sicher. Zudem bestritt sie Kenntnisse in Sachen Elektroinstallation. Der Ehemann bescheinigte als Zeuge zudem, seine Noch-Ehefrau habe "keine Kenntnisse in Elektrotechnik".

Zusammengedrehtes Kabel in der Steckdose

Allerdings soll die Angeklagte gegenüber einem gemeinsamen Freund des Paares eingeräumt haben, "sie war das".Außerdem habe sie seiner Frau eine SMS aufs Handy geschickt, in der sie angekündigt habe, dass sie "den Strom abstellen" wolle, sagte der Freund als Zeuge aus. Dieser Freund soll indes der "Anleiter" zur Manipulation der Elektroanlage gewesen sein. Das behauptet zumindest der Anwalt des Ehemannes in einem parallel laufenden Zivilverfahren. Doch die als Zeugin angegebene Frau vermochte die Behauptung, dass die Angeklagte "ihr die Tat gestanden habe", nicht zu bestätigen.

Der Ehemann hatte eine Elektrofirma angerufen, als er nach mehrtägiger Abwesenheit am 15. April zurückgekehrte und dabei feststellte, dass im Haus kein Strom floss. Zu den daraufhin festgestellten Manipulationen an der Elektroanlage befragt, sagte ein 63-jähriger Elektroinstallateur als Zeuge aus: "Jeder kann das nicht, da muss man Ahnung haben." So sei am Nullleiter manipuliert sowie eine Zuleitung abgeschnitten worden. Außerdem habe sich in einer Steckdose ein "zusammengedrehtes Kabel" befunden, das eine Art Dauer-Kurzschluss hervorgerufen habe. Auf die Frage, ob die Manipulation dazu geeignet war, einen Brand auszulösen, sagte der Zeuge: "Ich würde das verneinen." Dann stünde möglicherweise nur Sachbeschädigung im Raum, so Richter Schulz. Am Donnerstag wird der Prozess fortgesetzt und ist auch das Urteil zu erwarten.