Uetz l Nach 14 Jahren, zuerst als Bürgermeister und später als Ortsbürgermeister von Uetz, zieht sich Jörg Rudowski zurück. Am 20. April leitet er seine letzte Ortschaftsratssitzung, zwei Tage später endet seine Amtszeit. Erst einmal wird sein Stellvertreter Stefan Reinhardt die Geschäfte weiterführen. Später muss aus dem Ortschaftsrat heraus ein neuer Ortsbürgermeister gewählt werden. Der sei noch nicht in Sicht, so Rudowski.

"Verschiedene Umstände" nannte der Uetzer in einer offiziellen Pressemitteilung als Grund für seinen Entschluss. Im Gespräch wird er konkreter: "Ich bin nicht damit einverstanden, wie der Stadtrat und die Verwaltung mit den kleinen Ortschaften umgehen." Wünsche würden ignoriert werden, nichts werde umgesetzt. Als Ortsbürgermeister hätte er mehr Arbeit gehabt als als Bürgermeister einer eigenständigen Gemeinde. Er hätte sich mehr Miteinander gewünscht. "Ich werde im nächsten Jahr 50, will noch einige Nullen erleben", machte Rudowski deutlich, dass er sich aus gesundheitlichen Gründen diesen Ärger abschütteln möchte.

Uetzer sind Menschen, die anpacken


Tatsächlich tat sich in Uetz seit seinem Amtsantritt im Jahr 2001 bis zum Jahr 2010, als das Dorf seine Eigenständigkeit verlor, eine ganze Menge: Die Feuerwehr bekam ein Tanklöschfahrzeug, das Gerätehaus ein neues Dach und die Kameraden eine komplett neue Atemgeräteausstattung sowie neue Einsatzkleidung. In der Schule wurde viel gebaut. Die kommunalen Wohnungen wurden umfangreich saniert und auch auf dem Friedhof hat sich einiges zum Positiven verändert. Uetz profitierte von der Dorferneuerung, konnte so unter anderem in die Parkstraße investieren. Der einstige Konsum wurde gekauft und zum Gemeindehaus umgebaut, welches nach und nach erweitert wurde. Die Liste ließe sich fortsetzen. Mit Gründung der Einheitsgemeinde änderten sich die Zeiten. Die Investitionen wurden kleiner, mehr denn je war die Eigeninitiative der Uetzer gefragt. Die Grundschule schloss. Der Verwaltungsfachmann, seit 19 Jahren im Ministerium tätig, verlor die Lust. "Ich habe einen anderen Anspruch", sagt er mit Blick auf die Arbeit von Stadtrat und Verwaltung.

Aus familiären Gründen kam Rudowski 1994 in das kleine Dorf, engagierte sich, arbeitete im Gemeinderat mit und wurde nur wenige Jahre darauf von den Uetzern als ihr Bürgermeister auserkoren. "Ich habe mich nie als Zugezogener gefühlt, wäre auch in keinem anderen Dorf Bürgermeister geworden als in Uetz", zieht er den Hut vor den Bewohnern des Dorfes. Hier wohne eine Sorte Mensch, die Dinge anpacken ohne viel zu fordern.

Den Uetzern verspricht der scheidende Bürgermeister, dass er die Internetseite des Ortes weiter betreuen werde. Auch seinen Sitz im Stadtrat will er weiter besetzen, unter anderem dafür sorgen, dass die Einheitsgemeinde bald ein schnelles Internet bekommt.

Rudowski wird sich weiter in Sachen Posaunenchor und "Blue Lake" engagieren. Auch die "MDR-Landpartie", die in Uetz gastiert, muss er noch mit vorbereiten. Wenn dann am 27. Mai hunderte Menschen fröhlich mit dem Radiosender feiern, "ist das für mich ein schönes Abschiedsgeschenk", klingt ein bisschen Wehmut in seiner Stimme.