Über Schultheater, Ballett, Musikschule kam Tammy Girke zum Jugendclub des Theaters der Altmark. Inzwischen studiert die 22-jährige Stendalerin in Berlin Schauspiel und ist am Theater der Altmark in der Produktion "Maske in Blau" zu sehen.

Stendal l Mitten in einer Aufführung von Goethes "Faust" hat es Tammy Girke gepackt. In der 8. oder 9. Klasse war sie damals. Ein Bühnenbild mit Drehelementen nahm sie gefangen, dazu beeindruckende Musik und Lichtkompositionen. "Dann, in einer dramatischen Szene mit Gretchen hat es Klick gemacht. Genau das will ich! Ich muss spielen!", erinnert sich die heute 22-Jährige an den Moment, als ihr klar wurde: "Ich will Schauspielerin werden."

Seit jenem Augenblick im Theater der Altmark (TdA), während der Inszenierung des damaligen Intendanten Dirk Löschner und in der Szene mit Schauspielerin Frederike Duggen verfolgt Tammy Girke konsequent ihr Ziel. Aktueller Stand: zweites Semester an der Berliner Schule für Schauspiel.

Wenn die junge Schauspielschülerin von ihren Anfängen im Theaterjugendclub, ihren Rollen in TdA-Produktionen (zuletzt Kunigunde in "Ritter Roland"), Projekten in Berlin, Vorsprechen an Schauspielschulen und von ihrer Ausbildung erzählt, ist zu spüren: Die Stendalerin brennt für das, was sie tut und was sie künftig tun will. Mit jeder Faser, mit aller Energie, voller Leidenschaft. "Ich will das", sagt sie oft.

"In Görlitz stand meine Uroma als Schauspielerin und Operettensängerin auf der Bühne."

Nach Schultheater, Ballett, Musikschule und Turniertanz stieß sie zum TdA-Jugendclub. "Hier konnte ich drauflos spielen. Eine tolle Zeit", erinnert sich die Schauspiel-Elevin an ihre erste Hauptrolle als Friede Fennichfux im Musical "Pinkelstadt". Während sie ihr Abitur baute, stand sie immer wieder auf der TdA-Bühne. Auch bei einem Jugendtheaterprojekt im Deutschen Theater Berlin machte sie mit. Mit dem Stendaler Theaterchor sang Tammy Girke begeistert in Musicals. "In ,Anatevka` trug ich einen wunderschönen Bauernrock, eine Bluse und ein Halstuch", schwärmt sie von ihrem Kostüm. In ihrem rosafarbenen barocken Kleid für "Kiss me, Kate" entdeckte sie den Aufnäher "Stadttheater Görlitz", aus dessen Fundus das Gewand stammen musste. "In Görlitz stand meine Uroma als Schauspielerin und Operettensängerin auf der Bühne." Wenn das kein Zeichen ist! Die Uroma - die einzige Verwandte mit Bühnenvergangenheit. "Meine Eltern unterstützen mich in allem", ist Tammy Girke dankbar. "Nie kam von ihnen der Satz: Lern` was Vernünftiges."

"Man muss hart im Nehmen sein, immer an seine Grenzen gehen, keine Angst haben."

Tammy Girke lernt Schauspiel. Und sie weiß um die Fragilität des Berufes. Gerangel um wenige Jobs, immer wieder Vorsprechen um Engagements, Scheitern und Ablehnung. Durchkämpfen Runde für Runde, immer wieder aufs Neue das Lampenfieber beherrschen, bloß keinen Texthänger haben, diese eine Chance nutzen - das kennt Tammy Girke von Vorsprechen an Schauspielschulen in Leipzig, Hannover, Berlin und Rostock. TdA-Schauspielerin Angelika Hofstetter war ihr eine sehr gute Mentorin. Mit ihr bereitete sie die Vorsprechen vor, studierte etwa die Rolle von Zoe aus "Ab jetzt" oder die der Shente in "Der gute Mensch von Sezuan" ein.

Bewerberin Girke kam gut an. Feedback: kreativ, musikalisch, schöne Sprache, ein Rohdiamant. "Ich habe nie gehört: Lassen Sie es sein!" Nun lernt der "Rohdiamant" in der Berliner Schauspielschule zum Beispiel, "richtig zu atmen", sich Zeit für den Moment auf der Bühne zu lassen, auf Atmung, Stimme und Bewegung zu achten. "Bist du zu schnell, weil du aufgeregt bist, wirkt der Text ganz anders. Zeit ist wichtig." Es gelte, locker im Körper und klar im Kopf zu bleiben.

Die Arbeit auf der Bühne verlangt alles ab. "Das geht auf Knochen und Nerven. Man muss hart im Nehmen sein, immer an seine Grenzen gehen, immer wieder neu probieren, keine Angst haben, nichts darf peinlich sein", weiß die angehende Schauspielerin. Ihrem an sich selbst festgestellten Hang zum Perfektionismus komme dies aber entgegen, meint sie.

Noch immer ist ihr das Ensemble des Theaters der Altmark so etwas wie eine Familie, zieht es sie immer wieder gern ins TdA. Die Atmosphäre in der Theaterwelt sei schon besonders. Ist es das, was sie antreibt? Nach harter Probenarbeit die perfekt gespielte Rolle, der Applaus des Publikums? "Dass du spielen willst, ist in dir drin. Ich mache jetzt das, was ich machen wollte. Ich kämpfe mich da durch. Ich will das."