Anderen Menschen helfen, etwas Sinnvolles für die Umwelt tun oder sich einfach sozial engagieren - der neu eingeführte Bundesfreiwilligendienst - kurz: Bufdi - bietet eine breite Palette an Einsatzmöglichkeiten und geht über das bereits bekannte Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) hinaus. Volksstimme-Volontärin Corinne Plaga sprach für die Jule mit Andreas Hohenberg, Koordinator für die Paritätischen Freiwilligendienste in Sachsen-Anhalt.

Jule: Warum wird es ab dem 1. Juli einen Bundesfreiwilligendienst geben?

Andreas Hohenberg: Der Bufdi soll die wegfallenden Zivildienststellen ersetzen. Das sind rund 35000 in ganz Deutschland. Parallel dazu sollen andere Freiwilligendienste damit gestärkt werden. Viele, die sich bereits lange freiwillig engagieren, können sich nun auch etwas Taschengeld dazu verdienen. Damit soll der Wert des Engagements anerkannt und gewürdigt werden.

Jule: Wer kann ein "Bufdi" werden?

Andreas Hohenberg: Generell jeder ab dem 16. Lebensjahr, der seine Vollzeitschulpflicht absolviert hat. Bis zum 27. Lebensjahr wird der Dienst in Vollzeit passieren. Für alle ab 27 Jahre ist auch Teilzeitdienst möglich. Dazu kommt, dass auch Bewerber aus dem Ausland die Chance haben, den Bufdi in Deutschland zu absolvieren, dann mit Aufenthaltsgenehmigung. Daran wird derzeit gearbeitet.

Jule: Wie lange dauert der Bundesfreiwilligendienst?

Andreas Hohenberg: Mindestens sechs Monate, regulär zwölf Monate. Man kann auch auf 18 Monate verlängern. In Ausnahmefällen, beispielsweise wenn währenddessen der Schulabschluss gemacht wird, kann es bis zu 24 Monate gehen. Das liegt aber an den Einrichtungen, und ob der Teilnehmer auch dort länger reinpasst.

Jule: Wie hoch ist das Taschengeld für die Bufdis?

Andreas Hohenberg: Zurzeit werden die genauen Rahmenrichtlinien noch festgelegt, aber es soll bis zu 350 Euro monatlich Taschengeld geben. Bei Teilzeit natürlich weniger. Individuell können Bewerber auch Wohngeld oder ähnliches beantragen, da gelten die alten Regeln noch. Wer Kindergeld bekommt bis zum 25. Lebensjahr, wird beim Taschengeld runtergestuft, etwa bis auf 200 Euro.

Jule: Wo kann der Bufdi absolviert werden?

Andreas Hohenberg: Kriterium für die Einsatzstelle ist immer die Gemeinwohlorientierung. Es gibt viele Einsatzmöglichkeiten, zum Beispiel im Pflege,-Betreuungsbereich, in Wohnheimen, Kindertagesstätten, integrativen Einrichtungen, Beratungsstellen, Natur- und Umwelteinrichtungen, Behindertenbetreeung, Essen auf Rädern, Fahrdienste, ambulante Versorgung und im ökologischen Bereich. Es wird auch die Einsatzzweige Sport, Kultur, Technik/Wissenschaft/Nachhaltigkeit geben. Quasi das, was man auch vom Freiwilligen Jahr kennt. Im Ausland kann der Dienst jedoch nicht absolviert werden.

Jule: Was bringt der Bufdi für die Zukunft?

Andreas Hohenberg: Erstmal erhält jeder ein Zertifikat von der Einsatzstelle, welche Tätigkeiten gemacht wurden, wo die Kompetenzen liegen. Zu der praktischen Arbeit nimmt jeder Bufdi an Bildungstagen teil, das sind fünf einwöchige Seminare. Jeder Bufdi kann während seiner Zeit ein eigenes Projekt auf die Beine stellen. Das Jahr wird als Wartesemester bei Hochschulen anerkannt, sowie als berufliche Vorerfahrung als Praktikum. Vielen dient es auch als Überbrückungsphase oder Neuorientierung, wenn vorher schon ein Beruf erlernt und ausgeübt wurde.

Jule: Besteht das Freiwillige Soziale Jahr weiterhin?

Andreas Hohenberg: Ja, das bleibt. Der Unterschied zwischen beiden ist, dass der Bundesfreiwilligendienst eine staatliche Bindung auf Bundesebene ist. Und dass es mehr Einsatzfelder als beim FSJ gibt, beispielsweise auch Fahrdienste, wie sie beim Zivildienst üblich waren. Mittelfristig soll aber eine Angleichung der Freiwilligendienste erfolgen. Der Markt für Freiwilligendienste ist jetzt offen. Das birgt Gefahren, aber wir hoffen auf die Stärkung der Freiwilligkeit. Das ganze Konzept befindet sich noch im Aufbau.

 

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