Feuerwehrmann, Chirurg, Polizist oder lieber Feldjäger? Am "Tag der Berufe" schnupperten Jugendliche gestern in verschiedene Arbeitsfelder – auf dem Schützenplatz und im Johanniter-Krankenhaus.

Stendal. "Wofür nutzt man das?", fragt Nicole Richter (16) und nickt zu einer Reihe klobiger Notebooks, die wie kleine Koffer aussehen. "Das sind Computer, die wir für die Verbindung zur Außenwelt brauchen. Funktioniert via Satellit, schließlich gibt‘s in der Wüste keine Steckdosen", antwortet André Holfeld und hüpft hinter seinem Stand von einem Fuß auf den anderen. "Letzte Woche war‘s wärmer", sagt der Hauptfeldwebel. Noch den ganzen Tag wird er bibbern müssen und vielen Jugendlichen von der Arbeit bei der Bundeswehr erzählen.

Doch er zittert für einen guten Zweck, den "Tag der Berufe 2011", an dem sich Jugendliche gestern auf dem Schützenplatz über ihre potenziellen Arbeitgeber informierten. Auch die Polizei und die Freiwillige Feuerwehr haben rund um den Platz Stände aufgebaut und Dienstfahrzeuge geparkt. Besonders eindrucksvoll präsentiert sich die Bundeswehr mit Panzer, Essstand, Infowagen und Motorrad. "Gerade jetzt, wo die Wehrpflicht ausgesetzt wurde, ist es wichtig, junge Menschen zu gewinnen", erklärt Oberleutnant der Feldjäger, Stefan Quandt, das Aufgebot. Einen haben sie schon gewonnen: Paul Knörnschild. "Ich will studieren und eine Offizierslaufbahn einschlagen, am liebsten bei den Fallschirmjägern", weiß der 14-Jährige schon jetzt genau.

Nicht nur die Bundeswehr ist beliebt. Auch die Polizei steht hoch im Kurs. "Natürlich ist den meisten klar, dass es bei uns nicht wie bei ¿Alarm für Cobra 11‘ zugeht", sagt Polizeikommissar Fred Mücke und lacht. Er schaut zu seinen jungen Kollegen von der Polizei-Fachhochschule Aschersleben, die in ihrem Infozelt gerade von einer Traube Jugendlicher umringt werden. "Sie erklären ihnen, wie der Weg in den Polizeidienst aussieht", sagt Mücke und fährt fort: "Wir haben auch einen Wagen mitgebracht. Da sind unsere beiden Praktikantinnen drin, weil sie frieren." Er geht auf den Mannschaftswagen zu und zieht die Schiebetür auf. Zwei Teenagerinnen lächeln schüchtern. Als sie über ihr Praktikum erzählen, bekommen sie rosige Wangen: "Es ist ein toller Beruf", schwärmt Ronja Schubert mit glänzenden Augen (14). "Streife, Büroarbeit, Menschen helfen, alles macht Spaß", ergänzt Tighras Salem Merso (16).

Menschen retten. Das ist auch die Aufgabe der Freiwilligen Feuerwehr. Die Helfer kämpfen sich in brennende Häuser vor, müssen auf einer schwindelerregend hohen Leiter kühlen Kopf bewahren. Gefährlich. "Nach der Gefahr fragen die Kinder aber gar nicht. Eigentlich wollen sie immer nur wissen, wie man Feuerwehrmann wird", fasst Matthias Bammel von der Freiwilligen Feuerwehr zusammen. Trotz des Namens, bammelig wird ihm nicht, wenn er die 28 Meter hohe Drehleiter besteigen muss: "Das ist nicht schlimm. Später wollen wir mit den Kindern sogar noch eine Rundfahrt machen."

Als auf dem Schützenplatz langsam Ruhe einkehrt, geht‘s im Johanniter-Krankenhaus los. Marina Kermer von der Agentur für Arbeit widmet dem "Tag der Berufe" eine offizielle Ansprache. Dann weist Susan Rosenbaum-Hagemann die Jugendlichen in der ersten Hilfe ein. Die nächste Station: der OP. "Gibt‘s etwa auch Blut?", fragt Katharina Strauch (15). "Nein, darauf haben wir diesmal verzichtet", entgegnet die Schwester und lacht. Die Kinder ziehen Mundschutz und Kittel über, dann schiebt Schwester Silke Fahlke die OP-Instrumente auf einem Rollwagen ans Bett der Patientin. Die Milz soll raus. OP geglückt. Patient genesen. Klar, denn es war alles simuliert.

 

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