Beim "Ostercup" der Pestalozzischule liefen sich vier Schulen und der ländliche Streetwork Buch die Sohlen heiß. Zum dritten Mal kicken Schulen gegeneinander. Gefördert wird dieses Turnier durch das Projekt "Integration durch Sport" von der Stadt.

Stendal. Die Spieler schlagen die Hände über den Kopf zusammen. "Neiiin", ärgert sich ein Fußballer der "Teufelskicker" der Sekundarschule Seehausen und blickt ungläubig auf das Tor. Gerade ist das 2:2 gefallen. Ausgleich – durch die "Fußballer" der Pestalozzischule. Doch ein Spiel hat 90 Minuten, da kann sich noch alles ergeben. Gut, dieses ist ein wenig kürzer. Nur sieben Minuten.

Genauso lange kicken je fünf Schüler aus verschiedenen Schulen gegeneinander in der Turnhalle in der Erich-Weinert-Straße: die Komarowschule, Sekundarschule Seehausen, Pestalozzischule, die Sekundarschule Osterburg – und der ländliche Streetwork Buch. Die Schüler sind zwischen 10 und 17 Jahre alt – und damit alles ganz fair abläuft, sind die Kinder ganz altersgerecht in zwei Gruppen eingeteilt worden. Und die sind ziemlich heiß darauf, das "Ostercup-Turnier" zu gewinnen. "Für die Kinder und Jugendlichen gibt es nicht nur pro Gruppe einen Wanderpokal zu gewinnen. Sie bekommen auch Obst und jeder ein Überraschungsei", erzählt Johanna Weniger, Schulsozialarbeiterin an der Pestalozzischule, die dieses Turnier organisiert hat.

Danny Waigel (12) von den "Teufelskickern" gibt sich siegesgewiss: "Klar, gewinnen wir. Schließlich haben wir in unserer Mannschaft auch Fußballer." Seine Mannschaftskameraden Paul Crispin Koch (10) und Elias Gabriel (10) nicken. André Weiss (11) von den "Fußballern" der Pestalozzischule ist weniger optimistisch: "Gegen die anderen haben wir keine Chance", sagt er und lässt die Schultern hängen.

Dann ertönt ein Pfiff. Schiedsrichter Nicky Petzold, Sozialarbeiter der Komarowschule, nimmt die Trillerpfeiffe aus den Mund. Acht Kinder rasen über das Spielfeld, der Ball flitzt vorweg, ist nur wenige Meter vom Tor der "Windelwinnies" entfernt. Einer der Verteidiger läuft darauf zu, stockt, rennt wieder – und dann huscht auch schon ein anderer Teamkollege an ihm vorbei und versetzt dem Ball einen kräftigen Stoß mit der Rechten. "Yeah, yeah, gut gemacht! Weiter so!", schreit ein Schüler der Osterburger Sekundarschule von der Ersatzbank. "Hör‘ auf, so zu brüllen. Das ist peinlich", beschwert sich ein Klassenkamerad neben ihm und blickt ihn mahnend an.

Nicht mal eine Minute später sausen die acht Schüler aufs gegnerische Tor der Komarowschule zu. Die Jungs, die auf der Bank sitzen, blicken gebannt zu ihren Teammitgliedern. Dann fliegt der Ball am Tor vorbei. "Das war knapp. Nur fünf Milimeter, dann wär‘ er drin gewesen", ärgert sich ein Schüler. "Also, das hab‘ ich auch schon besser gesehen", beschwert sich ein anderer. Nicht so hart ins Gericht geht Schulsozialarbeiterin Mandy Netzband mit ihren Schützlingen von der Sekundarschule Osterburg: "Wir sind zwar zum ersten Mal dabei, aber wir holen den Titel." Ihr Kollege, der pädagogische Betreuer Holger Botzelmann, weiß auch schon, wo sich der Pokal gut machen würde. "Wir haben eine schöne Vitrine. Der Pokal würde ideal darin aussehen", sagt er und lacht.

Auf dem Spielfeld ist währenddessen die Hölle los. Schüler quietschen, reißen die Arme hoch, jubeln und hüpfen. "Ja, Toooor!", rufen einige. Andere stampfen mit dem Fuß auf, schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. "Mist!", zischen sie. Dann pfeift Nicky Petzold ab. Drei Mal werden die Osterburger noch ran müssen. Doch erst eimal machen sie Pause. Genauso wie die Spieler von der Pestalozzischule. Sie stehen vor der Turnhalle, reden aufgewühlt vom Spiel gegen die "Teufelskicker" – und über das knappe Ergebnis von 2:2. Schweißnasse Haare kleben in den Gesichtern, feuchte T-Shirts am Rücken. Den ersten Platz haben sie nicht gemacht, vielleicht klappt‘s im nächsten Jahr.