Ostersonntag im Stendaler Tiergarten. Er war in diesem Jahr mehr als eine willkommene Gelegenheit für die Stendaler, den ersten Osterfeiertag mit traditioneller Eiersuche im Tiergarten einzuläuten. Er wurde zum verheißungsvollen Saisonstart. Der Ostersonntag entschädigte Gäste und Gastgeber reichlich für den besucherunfreundlichen, langen Winter und einige ungemütliche Vorfrühlingstage.

Stendal. Der Weg, der rechts hinter dem Kassenhäuschen des Tiergartens leicht bergan am Gehege der Lamas vorbeiführt, ist durch eine Leine versperrt. Unter denen, die geduldig an der Absperrung warten, sind Stephan Schultz und Nicole Wesche. Das junge Paar ist mit seinen drei Kindern gekommen, das jüngste – die acht Monate alte Kimberly-Luci – auf Papas Arm.

Ein paar Jahre älter als seine Tochter und auch mit seinen Eltern hier, war Stephan, als er seine ersten Ostereier im Stendaler Tiergarten suchte. Es gibt Dinge, die ändern sich eben nie. Auch dann nicht, wenn man wie Stephan und Nicole der Heimat arbeitsbedingt für fünf Jahre den Rücken kehren musste. Nun sind wieder da, zu fünft und wie es Familientradition ist, am Ostermorgen im Tiergarten.

Die junge Familie ist in guter Gesellschaft. Zahlreiche Gäste belagern die " Startlinie " am Lama-Gehege und eine zweite etwa 50 Meter Luftline entfernte am Hauptweg. Die älteren Ostergäste dürfen über diese nach Süden führende Promenade ins Tiergartengelände strömen, während für Eltern mit jüngeren Kindern der nordöstliche Bereich, vorbei an Lamas und Co. reserviert und mit reichlich bunten Eiern, und Süßigkeiten bestückt ist. Den Mitgliedern des Tiergartenfördervereins sei dank. Ohne deren Hilfe wäre der " Osterhase " hier aufgeschmissen.

Den gibt es im Tiergarten – auch das hat Tradition – in doppelter Ausführung. Der eine heißt Tommy, hoppelt auf der Bühne herum und beklagt sich über die zu langen Ohren, die ihm vors Gesicht fallen. Vor allem dann, wenn er sich zu den Kindern vor und auf der Tiergartenbühne herunterbeugt, um für seine kleinen Fans und mit ihnen tolle Überraschungen aus Kisten, Töpfen oder Strümpfen zu zaubern. Hier wird entschädigt, wer bei der Ostereiersuche leer ausgeht.

All zu viele sind es in diesem Jahr nicht, dafür sorgt Osterhase Nummer zwei, eine " Häsin " übrigens. Claudia ist ihr Name. Sie ist nicht mit Althase Tommy verwandt, dafür mit Tiergartenleiterin Anne-Katrin Schulze. Die schleppte ihre Tochter Claudia vor 16 Jahren zum ersten Mal mit in den Tiergarten. Vom ersten Tag, an dem Anne-Katrin Schulze hier arbeitet, hilft das Mädchen an Wochenenden im Tiergarten. Sie tut es, inzwischen selbst junge Frau, noch immer und sie tut es gern, wie die ins Osterhasenfell-Imitat gesteckte Claudia glaubhaft versichert.

Über das Gesicht ihrer Mutter huscht ein Lächeln, ein für die Unterstützung der Tochter, ihrer Mitarbeiter, Vereinsmitglieder und fleißigen Helfer dankbares Lächeln. Eines aber auch, in dem Erleichterung mitschwingt. Das Osterfest 2010 geht als rundum gelungenes in die Tiergartengeschichte ein.

Es kam genau richtig, um dem ( ob des langen Winters und nur zögerlich einsetzenden Frühlings ) verhaltenen Saisonstart den nötigen Schwung zu geben. So einen Ansturm wie am Ostersonntag könnte der Tiergarten des Öfteren vertragen, um wieder auf die rund 60 000 Besucher zu kommen, die im vergangenen Jahr gezählt wurden. " Es dürfen gern auch ein paar mehr werden ", lädt Tiergartenleiterin Anne-Katrin Schulze ein, denn : Jeder Besuch, jeder an der Kasse bezahlte Euro hilft, dieses Stück Stendaler Kulturlandschaft weiter blühen zu lassen.