Der höchstwahrscheinlich älteste Dachstuhl Stendals ist einsturzgefährdet. Die Evangelische Stadtgemeinde muss handeln – nach Ostern wird die Petrikirche zur Baustelle. Bis Mitte August soll die erste Hälfte des Dachs über dem Kirchenschiff saniert sein.

Stendal. Die Anwohner, die gestern der Einladung von Pfarrer Matthias Schröder zur Bauberatung gefolgt waren, zeigten sehr viel Verständnis. Staub und Dreck, der beim Aufnehmen der Dachziegel und beim Entrümpeln des Dachraums auf die Terrasse der Nachbarn fliegen könnte ? " Kein Problem, damit können wir leben ", beruhigen Ingrid und Heinrich Wolter Bauleiter Gregor Stephan von der Planungs- und Entwicklungsgesellschaft Osterburg.

Allerdings werden sie und andere Anwohner wie Kurt Pinnecke möglicherweise ihr Grundstück mit dem Auto nicht mehr erreichen können, wenn nach Ostern Baugerüst und Absperrungen aufgestellt werden. Doch dafür soll es eine Lösung geben. Wolfgang Richter vom Bauausschuss des Gemeindekirchenrats will mit dem Tiefbauamt reden, um zeitweilige Parkmöglichkeiten für Anwohner an der Chorseite der Kirche zu ermöglichen.

Das wahrscheinlich älteste Kirchendach Stendals muss dringend saniert werden. Das weiß die Stadtgemeinde schon seit Jahren. Bereits 2004 wurden Holzkonstruktion und Eindeckung des Hohen Chors erneuert, doch weiter reichte das Geld nicht. " Jetzt herrscht akuter Handlungsbedarf, haben uns Statiker geraten ", schätzte Pfarrer Matthias Schröder gestern die Situation ein. " Ein großer Sturm könnte Teile des Daches herunterschieben. " Viele Teile der Holzkonstruktion seien morsch und bereits abgeknickt.

Doch in einem Zug kann das große Dach über dem Langhaus nicht saniert werden – die 570 000 Euro, die dafür notwendig wären, sind nicht vorhanden. Deshalb wird nun in einem ersten Bauabschnitt, beginnend im Osten im Anschluss an den Chor, beiderseits der Firstlinie etwa die Hälfte erneuert. " Wir nehmen die alte Eindeckung herunter, reparieren den Dachstuhl und decken mit neuen Ziegeln ein ", beschrieb Gregor Stephan den Bauablauf bis voraussichtlich Mitte August. Neben den Arbeiten am Dach werden auch Ziergiebel, Seitenschiffswände und Mauerkronen ausgebessert, Blindfenster neu verputzt und der Dachreiter erneuert. Die Kosten teilen sich die Landeskirche und der Kirchenkreis, unterstützt von Lotto-Toto und der Stiftung Kirchenbau. Die zweite Hälfte des Dachs wird voraussichtlich im nächsten Jahr in Angriff genommen.

Dendrologische Untersuchungen haben die Dachhölzer von St. Petri auf das Jahr 1419 datiert. Für den Bau des Dachstuhls, der fast vollständig mit originalen Hölzern erhalten ist, wird das Jahr 1420 angenommen. Damit ist er älter als die Dachkonstruktionen von Dom und Marienkirche.