Noch wird der Biomüll des Landkreises Stendal in einer sogenannten offenen Miete kompostiert. Ein Verfahren, das nicht gerade zukunftsorientiert ist. Der Landkreis machte sich daher schon im vergangenen Jahr auf die Suche nach alternativen Lösungen. Am Mittwoch stellte das mit der Lösungssuche beauftragte Institut verschiedene Möglichkeiten einer stofflich-energetischen Abfallverwertung vor.

Stendal. Den Bioabfall besser als bisher zu verwerten, das sei der Anspruch, dem sich der Kreistag mit dem Beschluss des Abfallwirtschaftskonzepts im März 2009 gestellt habe. Daran erinnerte die stellvertretende Landrätin Annemarie Theil die Mitglieder des Wirtschaftsförderausschusses und des Umweltausschusses, als die sich am Mittwoch trafen, um sich über Möglichkeiten einer besseren Biomüllverwertung als der bislang praktizierten Kompostierung

informieren zu lassen. Das übernahm Dr. Michael Kern, Geschäftsführer des Witzenhausen-Instituts für Abfall, Umwelt und Energie. Der Landkreis hatte dieses Institut beauftragt, Anworten auf die Frage zu suchen : Was ist in Sachen stofflich-energetischer Bioabfall-Verwertung machbar, was für den Landkreis Stendal auch vor dem Hintergrund, Bioenergieregion zu sein, sinnvoll ?

Am Ende dieser Suche steht eine Machbarkeitsstudie, rund 100 Seiten stark und von Dr. Michael Kern in den Grundzügen vorgestellt.

Erste grundlegende Erkenntnis : Die Bioabfallverwertung, soll an deren Ende mehr als nur Kompost herauskommen, wird teurer. Was unter dem Strich mehr herauskommen kann, ist Biogas, aus dem dann Biostrom gewonnen wird. Machbar, indem man der Kompostierung eine Vergärung vorschaltet. Hierbei, so der Institutsleiter, könne man " wie überall zwischen Golfklasse und Mercedes wählen. Das kommt ganz drauf an, was man sich leisten kann ". Da auch Dr. Kern um die Finanzlage deutscher Kommunen beziehungsweise Landkreise weiß, tendierte er bei den vier untersuchten Varianten der stofflich-energetischen Bioabfallverwertung und nach Analyse der Mengen und der Zusammensetzung des Bioabfalls im Landkreis Stendal für die untere Mittelklasse. Die hieße auf die Bioabfallverwertung bezogen : Trockenvergärung ( -fermentierung ) mit anschließender Kompostierung der Gärreste im sogenannten Boxenverfahren. Der Biomüll wird in Boxen vergoren. Tut man das mit den im Jahr im Landkreis anfallenden rund 14 000 bis 15 000 Tonnen Bioabfall, werden rund 1, 35 Millionen Kubikmeter Biogas erzeugt.

Eine Boxenanlage, die den Biomüll auf diese Weise stofflich-energetisch verwertet, würde 4, 2 Millionen Euro kosten. Dazu kämen Betriebskosten von rund 225 000 Euro und Behandlungskosten in Höhe 277 000 Euro pro Jahr. Die Erlöse aus der Biogaserzeugung würden sich nach Berechnung des Witzenhausen-Instituts auf 351 000 Euro jährlich belaufen. Abzüglich der Synergieeffekte blieben unter dem Strich Mehrkosten von 150 000 Euro, also 11 Euro pro Tonne Bioabfall und damit 1, 75 Euro pro Einwohner und Jahr. Die Frage, die als Nächstes vor dem Landkreis stehen wird, lieferte Dr. Michael Kern gratis dazu : " Will oder kann man das den Einwohnern zumuten ?" Auf der Suche nach der Antwort, zu der sich die beiden Kreistagsausschüsse am Mittwoch noch nicht hinreißen ließen, wird nun wohl auch der Kreistag gefragt sein.