Stendal. Mittelfristig gesehen, wird es dem Stendaler Berufsschulzentrum ( BSZ ) nicht an Schülern fehlen. Mit dieser beruhigenden Nachricht begrüßten die Leiter der Berufsbildenden Schulen I, Lothar Bätz, und der Berufsbildenden Schulen II, Jörg Hagge, die Mitglieder des kreislichen Schulaussschusses am Dienstag in ihren Räumen.

600 Schüler seien an jeder der beiden Schulen ( insgesamt also 1200 Schüler ) nötig, um deren Existenz zu sichern, war von den Pädagogen zu erfahren. In diesem Jahr werden 1953 junge Leute im BSZ Stendal beruflich vor- und ausgebildet. Im kommenden Schuljahr werden es zwar nur noch 1460 sein, aber danach würden die Zahlen wieder steigen, so die Prognosen.

Ob die hundertprozentig zutreffen, kann heute niemand sagen. Sie beruhen jedoch auf den Zahlen der Schüler, die im Landkreis unterrichtet werden und in den nächsten Jahren hier eine Berufsausbildung beginnen könnten. Sich allein darauf zu verlassen, wäre vor dem Hintergund des demografischen Wandels und der Tatsache, dass vor allem junge Leute und Familien der Altmark den Rücken kehren, sträflicher Leichtsinn. Und den kann man den beiden Schulleitern nicht vorwerfen.

Im Gegenteil : Sie und ihre Lehrerteams sind ständig auf der Suche nach Angeboten, die ihre Schulen attraktiver machen. Das betrifft Ausbildungsinhalte, die Ausstattung mit moderner Technik und Maschinen und das Nutzen von Möglichkeiten, die Stendaler Berufsbildenden Schulen als Ausbildungsstätten für weitere, teils neue Berufe anzubieten.

Dem voraus gehen Gespräche mit Partnern des BSZ, die sie in der IHK, in der Handwerkerschaft oder den heimischen Unternehmen finden. So konnte zum Beispiel eine neue Berufsschulklasse gebildet werden, in der Maschinen- und Anlagenführer für die Lebensmittel-Industrie ausgebildet werden. Mehrere Firmen aus dem Landkreis Stendal können ihren Berufsnachwuchs nun vor Ort ausbilden lassen.

Im Begriff Berufsschulzentrum liegt die Betonung mehr und mehr auf Zentrum. Nicht nur, dass die gastronomische Berufsausbildung nach Auflösung der Osterburger Außenstelle nach Stendal übersiedelte und hier mit Lehrrestaurant und Lehrküche gleich gute Bedingungen vorfindet. Im Berufsschulkomplex an der Schillerstraße lernen auch 250 Tierpfleger, die aus allen Teilen Deutschlands nach Stendal kommen, um hier ihre Asubildung zu absolvieren. Die Landesfachklasse der Polster- und Dekorationsnäher findet sich in Stendal, weitere für den Berufsnachwuchs der Dachdecker und Straßenbauer sind beantragt.

Neuestes von Hagge und Bätz gemeinsam verfolgtes Projekt ist die Etablierung einer Fachschule für Sozialpädagogik am BSZ. An ihr wird eine Ausbildung zum staatlich geprüften Erzieher mit Hochschulreife angeboten. Hintergrund für dieses Projekt : Bis zum Jahr 2019 werden 170 Erzieherinnen und Erzieher in kommunalen Einrichtungen gesucht. Was die Stendaler anbieten wollen, ist also zuallererst auch eine Ausbildung in einem Beruf mit guter Perspektive.