Stendal. Das bekannte Sprichwort " Der Winter kommt bestimmt " spielt bei Jörg Fiedler, Geschäftsführer des Brennstoffhandels Grashoff auch schon in den warmen Sommermonaten, wenn keiner an die kalte Jahreszeit denkt, eine wichtige Rolle. Auf diese Heizperiode muss sich der einzige private Kohlenhändler, von einst vier ansässigen Händlern in Stendal, schon frühzeitig einstellen.

" Mein Grundsatz lautet : Wir können nicht warten, bis die Heizperiode beginnt und der Andrang groß ist. " Jeder Kunde soll zufrieden den Hof verlassen. Diese Geschäftsphilosophie besteht schon seit 1919, als dieser Betrieb gegründet wurde und nebenbei, bis zur Enteignung im Jahre 1972, auch noch mit Senf, Holz, Essig und Obstsäften handelte. " Meine Geschäftseröffnung im Jahre 1995 war ein Wagnis. " War der Heizstoff Kohle zu DDR-Zeiten selbstverständlich, wurde dieser nach der Wende von Öl, Gas und anderen modernen Heizmöglichkeiten sehr stark verdrängt. Zumal auch der Ölpreis im " Keller " war. " In dieser Phase, etwa bis 1999, hatten wir Absatzschwierigkeiten und etliche Händler mussten schließen ", weiß Jörg Fiedler zu erzählen und erwähnte dabei auch erfreut, dass er durchgehalten hat. Bisher hat er das nicht bereut.

Kohle ist wieder gefragt

Da in den vergangenen Jahren die Preise für Öl und Benzin enorm gestiegen sind, ist die Kohle als Heizmaterial wieder in den Mittelpunkt gerückt. So verwundert es nicht, dass während der täglichen Öffnungszeiten ein reger Verkehr auf dem Hof herrscht, wo die Selbstabholer zwischen den Viertel-, Halboder Ganzsteinbriketts, die aus der Lausitz geliefert werden, wählen und die 50 Kilogramm schweren Säcke aufladen.

Dabei stehen zwei Mitarbeiter hilfreich zur Seite, die laufend die Säcke an der Waage füllen und stapeln, wobei sie körperlich stark beansprucht werden. Aber auch Schmiedekohle oder Kokssorten stehen zur Verfügung. Neben den Selbstabholern, zu denen inzwischen viele Stammkunden gehören, ist die Nicolaistraße auch Ausgangspunkt für die Hausbelieferung im gesamten Altmark-Gebiet. " Diese Lieferfahrten sind gerade in der jetzigen Zeit nicht ganz einfach, haben wir doch mit den winterlichen Straßenverhältnissen und den häufig schlechten Anfahrtmöglichkeiten bei den Kunden zu kämpfen. " Trotz der körperlichen Belastungen, die Fiedler und seine Mitarbeiter nach jeder Tour spüren, könne er aber auch erfreut feststellen, dass der Umsatz gestiegen ist und die guten alten Kachelöfen oder Kamine nicht " tot " sind. " Gerade in den Eigenheimsiedlungen und in den Dörfern finden wir die meisten Kunden ", erzählte der Inhaber kohlengeschwärzt, der bei der Büroarbeit von Eva-Maria Grashoff unterstützt wird.