Hunderte Menschen eroberten am Wochenende die Tangermünder Innenstadt. Der Weihnachtsmarkt in Verbindung mit den offenen Höfen hatte sie angelockt. Mit den Menschenmassen kam am Sonnabend allerdings auch der Regen. Schade !

Tangermünde. " Mama, wohnt hier der Nikolaus ?" Der vierjährige Ben steht am historischen Rathaus von Tangermünde und zeigt nach oben. Ein extravaganter Verkaufsstand aus Holz ragt hier in die Höhe und hat ein leuchtend rotes Spitzdach. Einen Tag vor dem Nikolaustag liegt diese Vermutung nahe. Doch leider wohnt er dort nicht. Hier wird Eierpunsch verkauft – von einem reizenden Engel.

Aber nicht nur hier, überall in der Stadt und auf den Höfen schwebt am Wochenende der Duft der Weihnacht. Süßes Gebäck, Zuckerwaren, Glühwein und Punsch, Waffeln und für die Region typischer Grünkohl bestimmen die Speisekarte, durch die sich die Weihnachtsmarktbesucher kosten.

Doch nicht nur kulinarisch ist das Wochenende in der alten Kaiserstadt ein Erlebnis. Zahlreiche Höfe haben ihre Tore geöffnet, bieten einen Blick in ganz private Sphären, lassen Besucher staunen und wundern. " Das ist so wunderschön ", sagt eine ältere Frau, die sich auf dem Hof von Angelika Otto umschaut. " Guck dir das an ", spricht ein Besucher aus Berlin. Eron Wigand ist mit seiner Frau zum zweiten Mal zum Advent in den Höfen gekommen, steht im Torbogen eines alten Fachwerkhauses und zeigt auf den Weg in den Innenhof. Links und rechts stapelt sich Brennholz wohlsortiert an den Wänden nach oben, Trödel ist auf Tischen ausgebreitet, unendlich viele alte Dinge flankieren den Zugang zum Innenhof.

Wenige Sekunden später rollt eine Ponykutsche am Tor vorbei. Der Weihnachtsmann wird auf dem Neumannschen Hof erwartet. An der großen Tanne auf dem Hof sehnen die kleinsten Besucher ihn bereits herbei. Bis dahin haben sie jedoch allerlei Abwechslung – an der großen Autorennbahn, beim Pfeil- und Bogen-Schießen oder auch im Museum von Oma und Opa. Das erstaunt im Übrigen nicht nur die Kleinsten. " Otto, hier oben steht unser Wohnzimmer ", ruft Elisabeth Mangold ihrem Mann zu. Sie hat im Museum etwas entdeckt, das sie aus ihrer frühesten Jugend kennt. Die 75-Jährige hatte von ihrer Großmutter Möbel mit in die Ehe genommen. Hier stehen diese alten Stücke noch einmal.

Neben den vielen Melodien vom Band sorgen Jagdhornbläser, Chöre, Posaunen und andere Formationen für moderne, traditionelle, lieb gewonnene oder auch nostalgische Weihnachtsgefühle. Sie geben dem Wochenende in der alten Stadt einen Charakter, der jedem Besucher etwas bietet, in dem sich jeder wohlfühlen und seinen Raum für angenehme, besinnliche, aufregende oder auch ganz ausgefallene Stunden finden kann.