Neue Räume für das Altmärkische Museum : Im zurückliegenden Jahr hatten lange Zeit die Handwerker das Sagen, über einige Wochen war das Museum wegen ihrer Aktivitäten sogar dicht. Nachdem die Fachleute vom Bau abgezogen sind, sind jetzt wieder die Fachleute der Sammlungen und Archive an der Reihe : In den kommenden Monaten sollen drei Räume mit neuen Ausstellungen bestückt werden.

Stendal. Frische Sicherheitstechnik hat das Altmärkische Museum am Stendaler Schadewachten vor einigen Monaten spendiert bekommen. Beste Gelegenheit, um auch ein paar Räume mit Tapete und frischer Farbe herzurichten und für neue Aufgaben vorzubereiten.

Frank Hoche, Leiter der Museen des Landkreises Stendal, gab in einem Gespräch mit der Volksstimme schon einmal einen Ausblick darauf, was auf rund 130 Quadratmetern neu gestalteter Ausstellungsfläche die Besucher in Zukunft erwarten soll : " Wir haben mehrere Schwerpunkte, die wir mit Exponaten erlebbar machen wollen ", erklärt der oberste Museumsmann der östlichen Altmark.

Ein Schwerpunkt sollen die bedeutenden Persönlichkeiten der Region sein. Denn während Johann Joachim Winckelmann mit einem eigenen Museum, eigener Gesellschaft und eigenen Forschungen in der Stadt Stendal einen starken Stand hat, ist dies bei anderen wichtigen Menschen aus Stadt und Region nicht der Fall.

Zum einen wäre da Fürst Otto von Bismarck. Hoche : " Da wollen wir natürlich mit dem Schönhauser Bismarck-Museum kooperieren. Denn dort ist natürlich das Zentrum der Forschungen um und über Bismarck. "

Ein weiterer Kandidat für die Ahnenabteilung verdienter altmärkischer Persönlichkeiten im Altmärkischen Museum ist Gustav Nachtigal, der in der Stadt Stendal als Namensgeber einer Straße durchaus präsent ist – das aber eben nur kartographisch und nicht museal.

Ein zweiter Raum soll der Militärgeschichte der Stadt Stendal gewidmet werden. Frank Hoche lobt in diesem Zusammenhang die bereits bestens funktionierende Zusammenarbeit mit dem " 10. Husaren-Regiment in Tradition " : " Daher haben wir zu diesem Thema inzwischen so viel Material, dass es zu mehr als einer vorübergeheneden Sonderausstellung reicht. " Das Museum habe sich zum Ziel gesetzt, den Fragen nachzugehen, wo das Militär in Stendal seine Spuren hinterlassen hat, wo die Stendaler Einheiten in Erscheinung getreten sind und welchen Einfluss die in der Stadt stationierten Truppen auf das Wirtschaftsleben hatten. Hoche : " Über Jahrzehnte sind ja viele Handwerker und Gastronomen davon abhängig gewesen, dass die Soldaten und Offiziere in ihre Geschäfte kamen und dort ihren Sold ausgaben. "

Fließend damit der Übergang zum dritten Schwerpunkt in den Plänen für die neuen Museumsräume : In einem weiteren Raum soll es um Industriegeschichte und wirtschaftliche Entwicklung in und um die Hansestadt Stendal gehen. Hoche : " Das ist im Moment ein schwieriges Thema. Denn dazu haben wir recht wenig Material ", bekennt er. Zumal es nicht allein die einzelnen großen Firmen sind, die das Gesicht der Stadt über viele Jahre geprägt haben und bis heute prägen. " Mit der Industrialisierung hat es in Stendal ja einen enormen Bevölkerungszuwachs gegeben, in dessen Zuge ganze Stadtteile wie das Bahnhofsviertel völlig neu entstanden sind. "

Gefragt ist also die Zusammenarbeit mit den Unternehmen in Sachen Industriegeschichte ebenso wie mit Hobbyhistorikern und Zeitzeugen, die zum Erkenntniszuwachs der Forscher bezüglich der Industrialisierung beitragen können. Und natürlich sind auch Originalexponate und Dokumente gefragt.

Insgesamt wird mit den neuen Räumen ein Problem allerdings nicht gelöst : die Enge. Denn in den Archiven schlummern nach wie vor archäologische Kostbarkeiten aus der Altmark Und auch Dinge wie der erste gedruckte Sachsenspiegel brauchen Platz, um angemessen präsentiert werden zu können.