Mehr als 60 historische Autos haben am Freitag in Stendal Station gemacht : Die Stadt war Etappenziel auf der insgesamt 580 Kilometer langen Rallye " ADAC Hanse Historic " von Lübeck nach Stendal und zurück.

Stendal. Das hat die Hansestadt noch nicht gesehen : Während Oldtimer den Sperlingsberg zugestellt haben und auf ihren Start warten, rasen aus der Poststraße die ersten Autos um die Kurve und hinein in die Breite Straße – und mit heulenden Motoren weiter zum Markt. Das ist die Nachtrallye – ein Bestandteil der " ADAC Hanse Historic ", die am Freitag in Stendal Etappenziel gehabt hat.

Nach der Wertung haben auf dem Marktplatz die alten Maschinen, die unter den Motorhauben von VW, BMW und Mercedes ebenso ihren Dienst tun wie unter denen von Alfa Romeo, NSU und Citroën oder unter denen von Exoten wie Jensen und Triumph, ihre Ruhe. Der Platz ist für die Nacht zum Parkplatz umfunktioniert : Feuerwehrchef Michael Geffers und seine Mannen haben ihn mittels Generator und mit Scheinwerfern in einen gleißenden Showroom verwandelt, auf dem die begeisterten Besucher mit den Oldtimerfreunden ins Gespräch kommen können.

Besonders gefragt sind beispielsweise Detlef und Heide-Lore Zeidler. Die beiden sind mit ihrem Ford A Phaeton aus Jerrishoe in Schleswig-Holstein angereist. Ihr Fahrzeug trägt die Startnummer 1 – und das nicht ohne Grund. Detlef Zeidler : " Der Ford ist das älteste Fahrzeug bei dieser Rallye, sogar das einzige aus Vorkriegsproduktion. " Hoffnung auf den Sieg – die besten Rallye-Teilnehmer werden danach gewertet, wie genau sie Zeitvorgaben zwischen vorher festgelegten Streckenpunkten einhalten – haben die Zeidlers nicht : " Dazu ist unser Ford doch schon viel zu alt. "

Wenig später erreicht Klaus Steffens das Ziel. Er ist ebenfalls mit einem Exoten unterwegs, mit einem Jensen CV 8. Er sagt : " Das ist ein echtes James-Bond-Auto. " Hatte etwa Q seine Finger im Spiel, als der Wagen für die Tour vorbereitet wurde ? " Nein, das natürlich nicht ", erzählt Steffens. Vielmehr sei dieses Luxusauto jenes Modell gewesen, mit dem die Agenten seiner Majestät tatsächlich häufig unterwegs gewesen sind.

Als alle Fahrer ihre Autos auf dem Markt abgestellt und sich ins Hotel " Schwarzer Adler " zurückgezogen haben, ist auch für die Streckenposten Feierabend : Die Mitglieder des Automobil-Clubs Stendal im ADAC mussten dafür sorgen, dass keiner der Zuschauer in Poststraße oder Breiter Straße, auf dem Markt und in der Hallstraße vor eines der flotten Autos läuft : Wer rechnet schon damit, dass hier Freitagabend ein Rennen gefahren wird. Eine Aufgabe, die die Stendaler Automobilisten ernst nahmen : Selbst der Chef Peter Bollfraß hatte sich als Streckenposten an der Poststraße einteilen lassen.

Dass die hanseatische ADAC-Rallye ausgerechnet in diesem Jahr in Stendal Station gemacht hat, mag wie ein glücklicher Zufall anmuten. Denn gerade erst zwei Wochen zuvor hatten die Stendaler bei einer Befragung am Rande der Bundestagswahlen dafür gestimmt, dass ihre Stadt fortan den Titel Hansestadt auch offiziell im Namen führen möge. Michael Standke von der Stadtinformation hatte zur Begrüßung der Gäste daher nicht nur ein Fass Freibier springen lassen, sondern auch ein großes Transparent als Vorgeschmack auf die künftigen Ortseingangsschilder spannen lassen.