Stendal. Die Katharinenkirche bot gestern ab 14 Uhr den Rahmen für eine Festveranstaltung, die Stendal und die Altmark so noch nicht erlebt hat. Mit ihr eröffnete Sachsen-Anhalts Justizministerin Angela Kolb die Ausstellung " Justiz im Nationalsozialismus : Über Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes ". Zahlreich waren die Gäste – neben Vertretern aus Justiz und Politik auch Schüler und Lehrer, Kreistags-, Landtags- und Bundestagsabgeordnete –, die Ministerin Kolb in der Katharinenkirche begrüßte und die der Stendaler Landgerichtspräsident Dieter Remus im Anschluss an den Festakt zu einem ersten Besuch der Ausstellung in seinem Haus einlud.

Eine Ausstellung, die – wie die Ministerin betonte – " den Besuchern vor Augen führt, zu welchen Exzessen die Justiz in einem totalitären System fähig sein kann ". Die Ausstellung tut das auch anhand von Schicksalen altmärkischer Opfer der Justiz im Dritten Reich.

Eines dieser Opfer war der in Schönhausen / Elbe geborene Albert Pütsch. Der damals 29-Jährige kam, von einem Magdeburger Sondergericht verurteilt, 1940 wegen des Abhörens ausländischer Sender hinter Zuchthausgitter. Seine Stieftochter Ursula Zippler, die Material für die Ausstellung zur Verfügung gestellt hatte, war mit ihrem Mann unter den Gästen der Festveranstaltung und zwei Stunden später eine der ersten Besucherinnen der Ausstellung im Stendaler Landgericht. Unter den Gästen auch ein weiterer Zeitzeuge –Rudolf Lorfi ng. Der Rentner aus Schönebeck war acht Jahre alt, als die " Tante Piehler ", eine Nachbarin der Familie, vor Gericht gestellt wurde. Der kleine Rudi hatte zu wissen geglaubt, dass nur sie die verschwundene Geldbörse seiner Eltern genommen haben konnte. Dem Theaterautoren Thilo Reffert erzählte Rudolf Lorfing seine und die Geschichte der Anna Piehler. Daraus und aus den Recherchen zu dem Fall der zum Tode verurteilten Schönebeckerin wurde das Theaterstück " Unkraut vergeht nicht ". Die Uraufführung bildete am Abend den abschließenden Höhepunkt der Austellunsgeröffnung, über den wir am Sonnabend im Kulturteil der Volksstimme berichten werden.