Ein Literaturnachmittag und eine Lesenacht fanden am Sonnabend in Tangermünde statt. Angebote, die die Organisatoren der Stadt anlässlich des 1000-jährigen Jubiläums erstmals unterbreitet hatten.

Tangermünde. Wie schwer es ist, die Mitmenschen für eine Sache zu begeistern, das erkannten die Organisatoren des Literaturnachmittags am Sonnabend in der Tangermünder Bibliothek. Sehr verhalten war das Interesse an dem gebotenen Programm. Klaus Vogt und Dr. Wolfgang Eschker lasen in kleinem Kreis.

700 Bücher und

viele Schallplatten

Bibliotheksleiterin Cornelia Lucklum hatte die Gelegenheit genutzt, sich von weniger aktuellen Beständen zu trennen und damit einen Basar zu eröffnen. " Etwa 700 Bücher haben wir aussortiert ", sagte sie. Hinzu kamen Schallplatten und Kinder-H örkassetten. All das konnten die Besucher für einen kleinen Obolus mitnehmen. Doch selbst hier hätten sich die Organisatoren mehr Zuspruch gewünscht. Wer in die Bibliothek kam und stöberte, fand auf jeden Fall etwas für sich.

Um den Tangermündern auch weiterhin das Angebot zu offerieren, wird der Basar mit ausgemusterter Literatur und Musik noch den Sommer über in der Bibliothek zu f nden sein.

Den Abschluss des Literaturnachmittags bildete ein Puppenspiel mit dem Märchen vom kleinen Muck. Ursprünglich hatte es im Garten der Bibliothek unter freiem Himmel stattfnden sollen. " Doch angesichts des Wetters haben wir es in die Salzkirche verlegt ", sagte Kulturamtsleiterin Marlies Köhn. Gerade war eine junge Familie in die Bibliothek gekommen, um dabei zu sein, wenn der Muck aufgeführt wird. Sie kehrte also um und ging die wenigen Meter bis zur Salzkirche. Hier waren es letztendlich nur sieben Mädchen und Jungen, die gemeinsam mit ihren Eltern das Puppenspiel genossen.

Wesentlich größer f el das Interesse am Abend für die Lesenacht " Wort trifft Musik " mit Gudrun Landgrebe und Sebastian Knauer aus. Etwa 150 Besucher fanden den Weg in den Grete-Minde-Saal. Hier unterhielt das Duo mit Texten aus dem Buch " Ein Winter auf Mallorca – Die Wahrheit " von George Sand und mit Werken des Komponisten Frédéric Chopin.

Die deutsche Schauspielerin Gudrun Landgrebe und der Pianist Sebastian Knauer nehmen das überwiegend weibliche Publikum mit auf eine 75-minütige Reise in das Leben Chopins. Dessen nur 39 Jahre währendes Dasein auf dieser Welt war überschattet von Krankheit und Enttäuschung. Doch seine seltene Gabe, Melodien voll echten Gefühls zu komponieren, und seine Fähigkeit, dem Klavier eine unglaubliche Fülle an musikalischen Stimmungen zu entlocken, sicherten ihm einen Platz unter den Unsterblichen der Musik. Schriftstellerin George Sand begleitete den gebürtigen Polen Chopin neun Jahre lang, nahm ihn unter anderem mit auf eine Reise in das winterliche Mallorca, um ihm dort die Möglichkeit der gesundheitlichen Besserung zu geben.

Landgrebe und Knauer geben mit ihrer Auswahl an Wort und Musik einen Einblick in die Welt des begabten jungen Mannes. Gequält von Ängsten und Unbehagen schrieb Chopin auf der Mittelmeerinsel dennoch einige seiner schönsten Werke. Während die Schauspielerin in fast absoluter Stille George Sands Aufzeichnungen liest, nur hin und wieder Vogelgezwitscher durch das angekippte Fenster in den Saal dringt, gibt sich der Pianist der Musik Chopins hin. Wort und Melodie in Verbindung verraten, in welcher Gefühlswelt der junge, stets von Krankheit gequälte Mann, gelebt haben muss.

Tosender Beifall für

Wort-Ton-Beitrag

Das Publikum lauscht und schweigt. Doch das ist gewünscht. " Das Publikum wird freundlich gebeten, sich den Beifall bis zum Ende des Programms aufzuheben ", ist auf dem Programmzettel zu lesen. Daran hält es sich und fordert das Paar zum Abschluss der Lesenacht mit tosendem Beifall und Fußgestampfe viermal zurück auf die Bühne.

Von den Organisatoren der Lesenacht gibt es zur Erinnerung an Tangermünde für die beiden einen großen Blumenstrauß und Wein.

Beendet wird der Besuch der beiden Künstler mit einer Autogrammstunde. Gesittet schieben die noch Wartenden ihre grünen Programmzettel auf den Stehstich und lassen sie sich signieren. Der Eine oder Andere zückt sein Handy zu einem schnellen Foto.

Im Übrigen hatte die Stadt zur Vorbereitung dieser Lesenacht keinen Aufwand gescheut und einen Steinway-Flügel aus Leipzig kommen lassen.