Stendal. Während des Sommerfestes im Winckelmann-Museum öffnete die Sonderausstellung " Antik wird Mode – Wiederentdeckte Antike zieht in den bürgerlichen Alltag des 18. / 19. Jahrhunderts ein ". Einführend gab Dr. Brigitte Pawlitzki einen Überblick über den Inhalt der Sonderschau.

Die " Antikmode " wurde besonders durch die Entdeckung der verschütteten Antikstädte Herkulaneum und Pompeji ausgelöst. Johann Joachim Winckelmann nahm regen Anteil an den Forschungsergebnissen. Die Publikation antiker Baukunst in Athen, die Herausgabe der Buchillustrationen zur Sammlung des Engländers Hamilton taten das Ihre, diesen zum Teil bis heute anhaltenden Modetrend zu popularisieren.

Neue Industrietechnologien ließen größere Produktionsmengen zu, deren Produkte im bürgerlichen Alltag Einzug hielten. Besonders in der Damenmode wurde das antike Gewand in entsprechenden Anwendungsformen für Bürger interessant. Goethe formulierte drastisch dazu : " Die Kunst hat sich jetzt auf Dosen und Armbänder verkrümelt ", was ihn nicht hinderte, auf seinen Schreibtisch eine Kleinstatue Winckelmanns zu stellen, die dieser neuen Tradition entsprach. In den Ausstellungsräumen findet der Besucher Exponate von seltener Schönheit und Erhabenheit aus dieser Epoche. Antiquarische Werke wissenschaftlicher Erforschung der antiken Städte leiten die Ausstellung ein. Im anschließenden Raum vermitteln Lehrbücher zu antiken Baudenkmalen, Freskenabbildungen und Modejournale Einblicke in Handwerk und Kunstgestaltung.

Vasen und Steingutkeramik aus der englischen Werkstatt von Wedgwood, der mit der Erfindung des " black basalt " ermöglichte, dass Nachbildungen antiker Gefäße über ganz Europa verbreitet wurden, bilden Blickpunkte im zentralen Ausstellungssaal.

Grafik und Malerei, Eisenkunst und Metallverarbeitung in Form von vergoldeten Bronzeuhren mit antiken Motiven finden sich ebenso wie Beispiele von Inneneinrichtungen und antik nachempfundener Kleidung.

Im Museumsgarten tummelten sich gleichzeitig am Nachmittag Kinder und Erwachsene bei Entdeckungen am Grabungsfeld oder im natürlich angepflanzten Labyrinthgarten. Alles wurde vielfältig genutzt und stellte eine schöne Bestätigung dar für die Berechtigung dieser Form musealer Arbeit in unserer Stadt.