Die Volksstimme berichtete am Donnerstag über Stendals Pläne zum Ausbau des Flugplatzes Borstel zu einem Industriepark. Die CDU hatte bei einer Fraktionssitzung auf dem Platz bereits die in einer nichtöffentlichen Stadtratssitzung besprochene Machbarkeitsstudie gefeiert. Seinerzeit hatten auch alle anderen Stadträte zugestimmt, die Studie ans Land weiterzuleiten, damit Fördergelder für den Ausbau fl ießen können.

Borstel. Die Stadtpolitik träumt von einem Industriepark Stendal-Nord. Demnach sollen mit Investitionen in Höhe von 28 Millionen Euro neue Gewerbefl ächen zwischen der geplanten Autobahn A 14 und der Stadt Stendal erschlossen werden. Ende April war im Stadtrat über eine Machbarkeitsstudie beraten worden. In dieser werden zahlreiche Punkte aufgelistet, nach denen die Einrichtung eines Gewerbegebietes an jener Stelle besonders vorteilhaft erscheint.

So wird in der Untersuchung hervorgehoben, dass zu der Zeit, als hier das sowjetische Militär das Sagen hatte, auf der Startbahn selbst schwere Flugzeuge des Typs Iljuschin 62 gelandet seien. Eine solch leistungsfähige Piste gibt es in der Region nicht ein zweites Mal. Die Folge : Hier könnten sich all jene Unternehmen ansiedeln, die für den Luftverkehr arbeiten – zum Beispiel Flugzeugwerften – es könnten sich aber auch jene ansiedeln, die aufgrund ihrer Produkte auf den Transport per Luftfracht angewiesen sind.

Als nützlich erweisen könnte sich ein Industriepark Stendal-Nord unabhängig vom Flugwesen auch wegen fehlender Gewerbeflächen : Denn selbst wenn ein großer Investor derzeit Gefallen an Stendal fi nden würde : Von 260 Hektar Industrie- und Gewerbefl äche in der Stadt sind kaum 80 frei – und auch die im Wesentlichen nur geeignet für die kleinteilige Ansiedlung von Unternehmen, ist der Studie zu entnehmen.

Vorzügliche Bedingungen – gerade mit Blick auf die nahe gelegene Autobahnanschlussstelle, deren Zubringer zum Industriepark auch gleich als Umgehungsstrecke für den Nordwesten Stendals dienen könnte.

Vor dem Hintergrund Autobahn erscheint in diesem Zusammenhang die Position der Stadtratsfraktion der Linkspartei zwiespältig : Zwar lehnt die Linkspartei die Autobahn durch die Altmark ab – dennoch befürwortet auch sie das Industrieprojekt, dem gerade die Lage an der neuen Fernverkehrsstraße zum Vorteil gereichen soll. Die Position der Linkspartei erklärt Fraktionschefin Helga Zimmermann : " Wir sind doch nicht vollkommen weltfremd. Wir haben uns doch nicht in die Schmollecke zurückgezogen !" Nachdem die Stadt Flächen am Flugplatz gekauft hat und nachdem der Vorschlag zum dreispurigen Ausbau der Bundesstraße B 189 keine Mehrheit gefunden hat, müsse man das Beste aus der Situation machen. Auch, so Helga Zimmermann, wenn kaum allein wegen der Ausweisung des Industrieparks mit einem Wirtschaftsaufschwung zu rechnen sei, wie er von andern erhofft werde.

Ein Problem mit der Autobahn haben die Sozialdemokraten nicht. SPD-Stadtfraktionschef Reiner Instenberg : " Nur muss jetzt einmal Schluss sein mit der schnarchigen Wirtschaftspolitik von Oberbürgermeister Schmotz !" Denn die Zeit, so Instenberg, drängt : Bis 2013 müsste das Projekt im Wesentlichen über die Bühne gebracht sein, danach nämlich werde die Region nicht mehr zu den vorrangigen Wirtschaftsgebieten der Europäischen Union gehören.

Um den Verkehrsknoten perfekt zu machen, wäre übrigens auch der Anschluss ans Schienennetz denkbar. Immerhin hat es einen Bahnanschluss zu dem Gelände schon einmal gegeben. Allerdings könnte es sich als schwieriger Brocken erweisen, auf der bestehenden Trasse neue Gleise zu verlegen – sind doch in den vergangenen Jahren in unmittelbarer Nähe Wohnhäuser gebaut worden. Die Kosten dafür sind in den fast 30 Millionen zum Industrieparkausbau noch gar nicht enthalten.