Fürs " normale " Studium sind sie ein bisschen zu erfahren, fürs Seniorenstudium noch zu jung, dennoch : 30 Frauen und ein Mann bereichern seit gestern die Campusbevölkerung in Stendal. Sie sind die Ersten, die sich im neuen Studiengang für Erzieher eingeschrieben haben.

Stendal. " Ich bin schon ein bisschen aufgeregt. " Brigitte Genz steht vor dem Hörsaal der Hochschule Stendal und fühlt sich wohl ein wenig wie am ersten Schultag : Was wird sie erwarten ? Wie hoch ist das Lernpensum ? Die 40-Jährige gehört zu den 31 Erstsemestlern, die sich im für Sachsen-Anhalt einmaligen Studiengang für Erzieher mit leitender Funktion eingeschrieben haben. Der etwas sperrige Name dieser dreijährigen Ausbildung : " Bildung, Erziehung und Betreuung im Kindesalter – Leitung von Kindertageseinrichtungen ".

Probesitzen konnten Brigitte Genz und ihre Kommilitonen gestern früh bei der offiziellen Eröffnung des Studiengangs mit Vertretern von Hochschule, Stadt und Landesverwaltung. Sehr oft wird sie nicht in diesen Genuss kommen, denn der Großteil des Studiums läuft zu Hause oder direkt im Job. " Das ist eine ganz enge Verzahnung von Theoretischem und Praxis ", sagt Hertha Schnurrer, Koordinatorin des Studiengangs. " Die Studenten müssen berufstätig bleiben, sonst verliert das Ganze seinen Sinn. " Was den 31 " Probanden " in dem Bachelor-Studium vor allem vermittelt werden soll, ist die Fähigkeit anzuleiten, ein professionelles Management zu führen und die Arbeit mit Kindern und deren Familien zu verbessern. " Es ist nicht so, dass – wie manche noch glauben – in den Einrichtungen nur auf die Kinder aufgepasst wird. Dort wird wirklich pädagogische Arbeit auf einem hohen Niveau geleistet. Deshalb ist die akademische Ausbildung sehr zukunftsorientiert und der Einstieg in eine noch größere Professionalität ", hatte Sozialministerin Gerlinde Kuppe ( SPD ) zuvor in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa gesagt. Eine verpfl ichtende akademische Ausbildung für Erzieher solle daraus jedoch nicht erwachsen. Sachsen-Anhalt ist mit 1900 Kindertagesstätten das Bundesland mit der größten Dichte an Kinderbetreuungseinrichtungen.

Für Brigitte Genz und ihre Kollegin Ina Ness aus Stendal ist das berufsbegleitende Studium eine große, aber willkommene Herausforderung. Ness, 48, leitet die Kita " Nordspatzen ", die als Kompetenzzentrum für frühkindliche Bildung ohnehin Vorbildfunktion habe. " Ein Bildungsprogramm zu haben, ist das eine, aber Teamführung ist genauso wichtig. Ich freue mich auf den Erfahrungsaustausch und eine Zusammenarbeit mit der Hochschule. "

Brigitte Genz ist stellvertretende Leiterin der Evangelischen Kita in Stendal. Durch ihre Chefin, die ebenfalls neben dem Job studiert hat, sei sie hochmotiviert. " Ich will ja weiterkommen, beruflich wie persönlich werde ich einen Nutzen aus dem Studium ziehen. Das ist zwar ein Einschnitt, aber meine Kinder sind groß, jetzt kann ich nochmal richtig loslegen. "