Die Gemeinde Völpke hat den Mietvertrag mit dem Landambulatorium Börde für die Arztpraxis in der Friedensstraße zum Monatsende gekündigt. Bereits am 1. Juli soll dort eine neue Ärztin einziehen. Der bisherige Mieter bleibt im Ort, zieht ein paar Häuser weiter.

Völpke l Am sonnengelben Arzthaus entzünden sich zurzeit zahlreiche Fragen und Gerüchte im Dorf. Es geht um Kündigungen, Zulassungen und Hausverbote. Fakt ist: Das Landambulatorium Börde zieht zum 30. Juni aus, bleibt jedoch im Ort tätig. Der bisher für das Landambulatorium arbeitende Völpker Facharzt für Allgemeinmedizin, Hans-Werner Bille, ist vom Dienst freigestellt worden. Er hatte seine Anstellung aus Altersgründen ebenfalls zum 30. Juni gekündigt. Für die Praxis in der Friedensstraße liegt eine zusätzliche Zulassung der Kassenärzt- lichen Vereinigung (KV) vor. Den Antrag hatte Diana Willms, Fachärztin für Allgemeinmedizin aus Ummendorf, gestellt, um hier ab 1. Juli praktizieren zu können.

Völpkes Bürgermeister Wolfgang Smolin ist um Aufklärung im Gerüchtegeflecht bemüht: "Es prasseln gerade viele Fragen auf mich ein. Von Seiten der Gemeinde kann ich definitiv mitteilen, dass wir das Mietverhältnis mit dem Landambulatorium fristgemäß zum 30. Juni gekündigt haben und uns sehr freuen, dass sich eine junge Ärztin aus dem Nachbardorf bereiterklärt hat, die Räumlichkeiten direkt zum 1. Juli zu übernehmen und als Praxis für Allgemeinmedizin weiterzuführen." Vorausgegangen war dem ein Beschluss des Gemeinderats, da es sich bei dem Haus um kommunales Eigentum handelt. "Der Gemeinderat war einstimmig dafür, die Praxisräume an Frau Willms zu geben, danach haben wir gehandelt", so Smolin.

Widerspruch gegen zweite Praxis im Ort

Da auch die KV ihre Zustimmung gegeben hat, gehe er davon aus, dass Willms plangemäß loslegen kann, "zumal es dem Landambulatorium unbenommen ist, weiterhin eine Praxis in Völpke zu führen."

Das wird auch so sein, bestätigt dessen medizinischer Leiter, Sebastian Brunner, der Volksstimme: "Wir haben den kassenärztlichen Sitz für Völpke inne und werden uns daher auch nicht zurückziehen." Das Landambulatorium werde die ehemalige Schlecker-Filiale in der Thälmannstraße beziehen: "Dort machen wir ab 1. Juli weiter." Brunner kündigte darüber hinaus an, gegen die Zulassung einer zweiten Praxis in Widerspruch zu gehen: "Der Sonderzulassungsausschuss der KV hat das erst mal so entschieden, aber aus meiner Sicht ist das nicht wirklich geklärt." Ferner bestehe Brunner zufolge "kein Bedarf zur Erweiterung der allgemeinmedizinischen Versorgung" in diesem kassenärztlich "Landkreis Nordoschersleben" benannten Bereich.

Die Situation in Völpke, wie sie sich nun zugespitzt hat, bezeichnet Sebastian Brunner als "insgesamt unschöne Sache". Er bedauere diese Entwicklung, an der allerdings auch die Gemeinde ihren Anteil habe: "Auf uns wirkt es letztlich so, dass das Landambulatorium ausgebootet werden sollte. Hintenrum wurde verhandelt, das erweckt den Anschein, dass wir gerade gut genug als Ersatz für die Praxis im Ort waren, bis man was Besseres gefunden hat. Dabei liegt uns unser Konzept der landärztlichen Versorgung sehr am Herzen, und es gab aus Völpke auch keine Anzeichen der Unzufriedenheit."

Wolfgang Smolin entgegnet: "Von Ausbootung kann keine Rede sein, denn wie gesagt, wir haben überhaupt kein Problem damit, wenn beide Praxen im Ort sind. Und die Gründe für unseren Entschluss habe ich Herrn Brunner auch in einem Gespräch während der Bürgermeistersprechstunde persönlich mitgeteilt."

Bille telefonisch außer Dienst gestellt

Man sei dem Landambulatorium dankbar, doch hege man mit der neuen Mieterin in der Friedensstraße nicht zuletzt die Hoffnung auf weiterhin stabile Sprechzeiten; insofern sei der Ratsbeschluss auch voll im Sinne der Bürger gefällt worden. "Wenn Herr Bille nicht da war, war die Praxis nur an zwei Tagen in der Woche für zwei Stunden auf, was aus Patientensicht eigentlich nicht ausreicht", so Smolin, "und da Herr Bille nun endgültig in den Ruhestand geht, ist die Vereinbarung mit Frau Willms für Völpke ein willkommener Glücksfall."

Hans-Werner Bille (76) selbst ist seit Anfang Mai bereits nicht mehr im Dienst. Unfreiwillig. Ihm sei der Praxiszugang vom Landambulatorium telefonisch untersagt worden, erklärte er der Volksstimme und meint: "Das ist befremdlich und unverständlich. Mir liegt keine Begründung dafür vor." Sebastian Brunner dazu auf Nachfrage : "Nach Herrn Billes Kündigung zum 30. Juni haben wir betriebsintern umgemodelt. Die Sprechzeiten in Völpke sind jetzt zwischen mir und einer Kollegin aufgeteilt."