Seit dem 1. November 2010 kann der neue Personalausweis im Scheckkarten-Format beantragt werden. Von Anstürmen im Oktober auf Bürgerbüros und Einwohnermeldeämter wegen der alten Ausweise war zu lesen, ebenso von Liefer- und Technikschwierigkeiten. Wie zurzeit die Lage im Einwohnermeldeamt der Stadt Wanzleben - Börde aussieht, erfragte gestern die Volksstimme bei Kathrin Mootz.

Wanzleben. "Der große Ansturm auf die alten, weitaus günstigeren, Ausweise blieb bei uns bis zum 31. Dezember, jenem möglichen Ausstellungstermin, aus. Auf die Nachfrage, was den neuen ,Perso‘ betrifft, konnten wir gut reagieren. Seit November haben wir bislang rund 300 Anträge bearbeitet und ausgehändigt", berichtet die Verwaltungsmitarbeiterin.

Auf die Frage, ob es in Wanzleben so wie andernorts viele Lieferschwierigkeiten oder wie in Magdeburg und Stendal auch technische Ausfälle gab, sagt Kathrin Mootz, dass es solche Probleme in Wanzleben nicht gegeben hätte.

"Bei uns hat bislang die Bearbeitung und Bestellung bei der Bundesdruckerei reibungslos geklappt. In der Regel wartet der Antragsteller zwei bis drei Wochen auf sein neues Dokument." Das Angebot, seine Fingerabdrücke auf dem Ausweis speichern zu lassen, werde derzeit allerdings nur von wenigen angenommen. Die Bürger müssen sich bereits bei der Antragsstellung entscheiden, ob sie die biometrischen Daten gespeichert haben möchten.

Für das Gespräch mit dem Sachbearbeiter und die damit verbundene Belehrung sollte der Antragsteller etwa 20 Minuten einplanen, sagte Karthrin Mootz weiter.

Der neue Personalausweis soll eine effizientere und sicherere Personenkontrolle ermöglichen. Die Daten vom Chip dürfen nur von der Polizei ausgelesen werden. Juristische Grundlage sind die Anti-Terror-Gesetze. Die elektronische Datenübertragung soll außerdem Internetgeschäfte sicherer machen.

Welche Daten enthält das neue Dokument? Es bleibt bei den bisherigen Daten, sie sind aber zusätzlich auf einem Chip gespeichert. Adressenänderungen werden sowohl auf dem Ausweis als auch elektronisch vermerkt.

Aus Verbrauchersicht am interessantesten ist, dass der Daten-Chip auch für private Geschäfte ausgelesen und genutzt werden kann. Dazu muss der Ausweisinhaber, ähnlich wie bei der EC-Karte, eine PIN eingeben. Diese wird dem Ausweisinhaber von der Bundesdruckerei extra zugeschickt. Die Abfrage der Daten sollen nur Unternehmen vornehmen dürfen, die ein staatliches Berechtigungszertifikat haben. Es legt den genauen Umfang der Abfrage fest. Der Ausweis soll auch eine elektronische Signatur ermöglichen. Damit sollen zukünftig Verträge online abgeschlossen werden können.

Und wie funktioniert die Datenübertragung? Der Nutzer benötigt ein spezielles Chipkartenlesegerät, das per USB-Kabel mit dem Computer verbunden wird und die Daten einliest. Dafür gibt es unterschiedliche Sicherheitsstufen: "Basis", "Standard" und "Komfort". Für die Verarbeitung der Daten ist außerdem eine spezielle Software nötig, die der Bund als Download zur Verfügung stellt. Für die elektronische Signatur gibt es noch eine gesonderte PIN. Bei der Ausgabe des Ausweises erhält der Inhaber von der Bundesdruckerei eine PIN, PUK und ein Sperrkennwort zugeschickt. Diese müssen separat aufbewahrt werden.

Ist der Personalausweis sicher?

Behörden und Innenministerium meinen: Ja. Der "Chaos Computer Club" hält die Chipfunktionen für "praxisuntauglich für normale Bürger".

Werden Fingerabdrücke gespeichert?

Man kann es machen lassen, muss aber nicht. Die Behörden empfehlen es, die Datenschützen mahnen zur Vorsicht.

Was kostet der neue Ausweis? Während der alte Ausweis 8 Euro kostete, müssen Personen über 24 Jahre 28,90 Euro berappen. 18- bis 22-Jährige bezahlen 22,80 Euro, und für Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren ist er kostenlos. Das nachträgliche Aktivieren und Deaktivieren der Online-Funktionen kostet jeweils 6 Euro.