Ein besonderes Jahr liegt in vielerlei Hinsicht hinter der Sülldorfer Schalmeienkapelle. In jedem Fall war es ein sehr erfolgreiches Jahr, schließlich kehrten die Musiker als Deutsche Meister von den Meisterschaften in Königslutter zurück. Der Meistertitel ist natürlich zugleich Ansporn für neue Aufgaben.

Sülldorf. Der Gewinn des Deutschen Meistertitels war für die 33 Musiker zwischen zehn und fast 70 Jahren natürlich der absolute Höhepunkt des Jahres. Andererseits erspielte sich das beliebte Musikensemble auch den Lohn jahrelanger harter Arbeit. Vor allem in Vorbereitung der Meisterschaften, die über Pfingsten in Königslutter stattfanden, wurde geprobt, geprobt und nochmals geprobt. Die musikalische Leiterin der Sülldorfer Schalmeienkapelle, Kerstin Kniebel, stellt hohe Ansprüche und das ist auch richtig so. "Dennoch war es ein unerwarteter Sieg in Königslutter", schätzen Vater Günter und Sohn Mario Hoffmann. Doch an jenem Tag hat eben alles gepasst, war die Tagesform top.

Einen furiosen Empfang für die Deutschen Meister hatte schließlich Altenweddingens Ortsbürgermeister Jörg Methner für die Meister-Musiker organisiert. Der Platz in der Festhalle reichte nicht aus, um die zahlreichen Besucher, einige hundert werden es gewesen sein, aufzunehmen. Nicht nur aus dem Sülzetal waren die Menschen gekommen, um zu gratulieren. Landrat Thomas Webel und Minister Daehre waren ebenso vor Ort.

Über 50 Auftritte hat die Sülldorfer Schalmeienkapelle im vergangenen Jahr absolviert, Volksfeste, Fackelumzüge und vieles mehr begleitet. Natürlich war man auch 2010 beim Sachsen-Anhalt-Tag mit von der Partie. Erstmals wurde ein Karnevalsumzug mit gestaltet. "Das war sehr schön, und Kerstin Kniebel hatte für uns sogar Schlumpfmützen genäht", erinnert sich Mario Hoffmann.

Doch bei allem Erfolg der Sülldorfer Schalmeienkapelle war ausgerechnet Gründer und Chef der Truppe, Günter Hoffmann, beinahe ein Jahr lang von der Bildfläche verschwunden, wie er es selber nennt.

Einen harten Kampf hat er hinter sich gebracht, den Kampf um seine Gesundheit, den Kampf gegen einen bösartigen Hirntumor. Heute hat er es geschafft. Dass dort, wo der Tumor bestrahlt wurde, keine Haare mehr wachsen, ist wohl das kleinere Übel.

Das größere Glück ist für ihn hingegen die Tatsache, dass er wieder die Schalmeie spielen kann und darf. Seinen Kampf gegen den Tumor hat er nicht allein gekämpft. Da war vor allem die Familie, seine Frau, die Kinder und Schwiegerkinder, die Enkel. Doch im gleichen Atemzug nennt das Urgestein der Sülldorfer Schalmeienmusik seine Mitstreiter aus der Kapelle, die ihn immer wieder aufgebaut haben. Und da ist der Gewinn eines Deutschen Meistertitels natürlich beste Medizin.

1964 wurde die Sülldorfer Schalmeienkapelle gegründet, Günter Hoffmann war der Mann der ersten Stunde, doch so langsam aber sicher möchte er sich zurückziehen, sind jüngere gefragt.

Das Jahr 2011 hat kaum begonnen, doch schon heute steht fest, dass die Sülldorfer Schalmeienkapelle wieder zahlreiche Auftritte haben wird. So werden die Musiker die Jubiläen der Orchester von Tarthun (40 Jahre) und Barneberg (55 Jahre) begleiten, beim Sachsen-Anhalt-Tag wieder mit dabei sein und natürlich ihre Fans zum 10. Hoffest in Sülldorf nicht enttäuschen. Schon jetzt laufen die ersten Vorbereitungen für die Landesmeisterschaften, die im Juni in Quedlinburg stattfinden sollen. Doch der Termin steht noch nicht, da es wohl Probleme mit der Finanzierung der Meisterschaften gibt.

In jedem Fall wollen die Sülldorfer Musiker das hohe Niveau ihrer Musik halten, dafür wird weiter fleißig geprobt, jetzt immer freitags.

Ein einziges neues Instrument fehlt noch, dann haben alle alten DDR-Instrumente ausgedient. Doch bislang konnten die 2500 Euro für die Bass-Schalmeie nicht aufgebracht werden. Nach wie vor leistet die Sülldorfer Schalmeienkapelle auch eine gute Nachwuchsarbeit. Erst jetzt kam eine junge Frau aus Wanzleben hinzu. Mehr als 60 Titel hat das bekannte Ensemble drauf. Neue sind in Arbeit, welche wird noch nicht verraten.

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