Regen- und Schmelzwasser drohen inzwischen allerorts in zahlreiche Keller zu laufen. Gestern Abend musste die Wanzleber Feuerwehr mit Pumptechnik und Sandsäcken in der Straße Vor dem Hohen Tor zwei Wohnblöcke sichern, damit das angestaute Oberflächenwasser, das aus der angrenzenden Kleingartenanlage drückte, wieder aus den bereits gefluteten Kellerräumen gepumpt werden und nicht weiter in die Keller nachlaufen konnte. Auch Mitarbeiter des TAV Börde waren in Schleibnitz im Havarieeinsatz.

Wanzleben /Schleibnitz. Da die Wassermassen zurzeit nicht versickern oder ablaufen können, schoss in Wanzleben gestern Abend gegen 18 Uhr angestautes Wasser aus einer Gartensparte in die Keller zweier angrenzender Wohnblöcke in der Straße Vor dem Hohen Tor. 18 Kameraden der Wanzleber Feuerwehr waren mit vier Fahrzeugen im Einsatz, um mit Pumpentechnik und Sandsäcken schlimmeres zu verhindern.

Auch in Schleibnitz gab es eine Havarie, wegen der Wassermassen. Vinny Zielske, Geschäftsführerin des Trink- und Abwasserverbandes Börde (TAV), teilte gestern mit, dass bereits Mitarbeiter des TAV Börde Rückstauerscheinungen in den vielen Grundstücksentwässerungsanlagen und Kellerräumen beseitigen mussten. Die Schmutzwasserpumpwerke und die zugehörigen Druckleitungen waren durch die erheblichen Schmelz- und Drainagewassermengen weit über deren Leistungsfähigkeit belastet. "Mehrere Hauspumpwerke, die das Schmutzwasser in den Kanal pumpen, haben es in Schleibnitz einfach nicht mehr geschaft", sagt Vinny Zielske.

Das einsetzende Tauwetter in Verbindung mit dem Niederschlag hat in den vergangenen Tagen auch zu erhöhten Kapazitätsauslastungen in den öffentlichen Abwasseranlagen geführt. Der TAV Börde hat mit diesen Erscheinungen flächendeckend im gesamten Verbandsgebiet zu kämpfen, um auch unter den schwierigen Bedingungen die Abwasserentsorgung sichern zu können, hieß es.

Die Ursachen seien einerseits darin zu suchen, dass Schmelzwasser, das von Ackerflächen in der Ortsrandlage abfloss, direkt in die Schmutzwasserkanalisation eingelaufen ist. Durch den Verschluss der Kanaldeckel und das Umleiten der Schmelzwasserströme konnte zunächst das akute Eindringen von Fremdwasser in die Schmutzwasserkanäle verhindert werden. "Die oft in den Straßenrändern noch verbliebenen Schneemassen verstopfen an vielen Stellen die vorhandenen Straßeneinläufe, so dass das Schmelzwasser nicht in die Regenwasserkanalisation abfließen kann und sich stattdessen den Weg über die Gullideckel der Lüftungsschächte in die Schmutzwasseranlage sucht. Hilfreich sind hierbei die zahlreichen Eigeninitiativen der Hauseigentümer, die Straßenränder bis zum Straßeneinlauf durch Rinnen freischaufeln", berichtet Zielske.

Eine weitere Ursache für die überlasteten Schmutzwasserkanäle sei jedoch auch die ungenehmigte Einleitung von Drainagewasser der privaten Grundstücke in die Schmutzwasserkanalisation. Die Not der Anwohner sei zwar verständlich, wenn sich wegen steigendem Grundwasserstand die Keller mit Wasser füllen. Doch dieses Wasser müsse entweder in den Garten oder in den Regenwasserkanal gepumpt werden. "Denn die Beseitigung des Drainagewassers durch Einleitung in den Schmutzwasserkanal ist keine genehmigte Methode", betont die TAV-Börde-Geschäftsführerin.

Die mengenmäßige Überlastung der Pumpen und Druckleitungen im Schmutzwassersystem des TAV Börde beeinträchtigte durch unmittelbare Auswirkungen die Entsorgungssicherheit für Schmutzwasser, welche dann nicht mehr gegeben ist. In den meisten Fällen sind die benachbarten Grundstücke betroffen, indem es zum Rückstau in der Grundstücksentwässerungsanlage kommt. "Indirekt trifft es dann alle Anschlussnehmer, da durch diese unerlaubten Fremdwassereinleitungen die Kosten für Elektroenergie, Pumpenwartung und zusätzlichen Personaleinsatz steigen. Die Kosten wirken sich auf das Gebührenniveau negativ aus", erklärt Zielske.

Diese Fremdwassereinleitungen seien allerdings nicht nur in den vergangenen Tagen zu beobachten gewesen, sondern würden die Abwassersysteme über das ganze Jahr mit steigender Tendenz belasten. Deshalb sei der TAV Börde gehalten, die Kontrollen hinsichtlich nicht statthafter Regen- und Drainagewassereinleitungen in den Schwerpunktgebieten, welche in vielen Ortschaften zu finden sind, zu verstärken und gegenüber den Grundstückseigentümern die Unterlassung einzufordern, sagte die TAV-Börde-Geschäftsführerin .

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