Seit 60 Jahren ist Emmeringen ein Ortsteil von Oschersleben. Doch bereits seit 1084 gibt es schriftliche Zeugnisse über das kleine Dörfchen, das im vorigen Jahr mit der 925+1-Jahrfeier selbstbewusst auf seine lange Geschichte hinwies. Grund genug für die Volksstimme, sich in lockerer Folge mit dem Wachsen und Werden des Dörfchens zu beschäftigen.

Emmeringen. Das kleine Dorf ist stolz auf seine große Geschichte – auf das, was sich in Emmeringen einst abspielte. Selbst die Tempelritter sollen einst hier gewesen sein.

Doch kaum ein Gebäude des 926 Jahre alten Oschersleber Ortsteils kündet heute noch von lange zurück liegenden Zeiten. Zu den ältesten gehört neben dem Herrenhaus, das heute die Kindertagesstätte "Tausendfühler" beherbergt, die kleine Dorfkirche, denn die ist 123 Jahre alt.

Die Geschichte der Emmeringer Dorfkirche ist jedoch länger: Bereits für das Jahr 1272 weist die Historie einen ersten Kirchenbau in Emmeringen aus. Die Quellen nennen keinen Schutzheiligen. Der Pfarrdienst wird seit dem 17. Jahrhundert von Oschersleben aus besorgt, da die Emmeringer Pfarrstelle wohl nicht genug für das Auskommen des Pfarrers abwirft.

In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts ist das Gotteshaus so baufällig geworden, dass sich die Verantwortlichen für einen Neubau entscheiden. 1879 geht man jedoch davon aus, die Kirche reparieren zu können.

1882 wird das alte Gebäude von der königlichen Regierung dann doch für so baufällig gehalten, dass es ratsam erscheint, die Kirche zu verkaufen und den Gottesdienst in das Schullokal zu verlegen.

Pastor Heßling konnte dem Konsistorium jedoch am 3. Januar 1886 mitteilen, dass der Bauplan für das neue Gotteshaus fertig und genehmigt worden sei. Am 17. Juni 1887 erfolgte die Weihe der Kirche unter der Teilnahme des Landrates und des Kreissynodalvorstandes.

Als einziges Überbleibsel aus der alten Kirche ist der Taufstein aus dem Jahr 1676 geblieben, der noch heute im Altarraum der kleinen Kirche zu finden ist.

Seit 1962 sind die Emmeringer und die Oschersleber St. Nicolaigemeinde vereinigt. Die Emmeringer Kirche, inzwischen offiziell als Baudenkmal anerkannt, wird schließlich nicht mehr benötigt, sowohl der Kirchenkreis als auch die Stadt wollen sie als kostenträchtige Immobilie nicht haben; sie fällt ans Bundesvermögensamt. Im November 1999 findet ein Abschiedsgottesdienst statt.

Mit dem Verein "Emmeringer Kirche und Kunst e. V." hat der neugotische rote Backsteinbau seit dem vorigen Jahr einen neuen Eigentümer. Der Verein lud Heiligabend zu einer überkonfessionellen Feier ein, wovon noch lange ein großes Plakat am Zaun kündete. "Die Kirche war überfüllt", freut sich Lutz Bittner, der Vereinsvorsitzende. Wie bereits praktiziert, wolle der Verein mit Lesungen und Ausstellungen in der Kirche kulturelle Angebote unterbreiten. Eine kirchliche Nutzung ist nur bedingt vorgesehen, ähnlich wie zu Heiligabend. Trauergemeinden können die Kapelle gegen eine Spende nutzen.

Vor allem aber muss die Kapelle saniert werden. In naher Zukunft wird die Tür erneuert, der die Zeit und Vandalismus arg zugesetzt haben; durch die breiten Ritzen pfeift der Wind, die Beschläge wurden abgebrochen. Nach den ersten Angeboten rechnet Lutz Bittner mit Kosten von 3 000 Euro.

Eine Holzwurmbehandlung und im Frühjahr die Mauerwerkstrockenlegung stehen als nächstes auf dem Programm des 22 Mitglieder großen Vereins, der aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden die notwendigen Arbeiten zu finanzieren hofft.

   

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