Den Stadträten der Einheitsgemeinde Stadt Wanzleben – Börde wird am Donnerstag, 27. Mai, nach Vorlage einer von Feuerwehrmann Sven Dreben-stedt ausgearbeiteten Risikoanalyse der Brandschutzbedarf vorgelegt. Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass in mehreren Ortswehren die notwendige Zahl der Atemschutzgeräteträger (Spezialausbildung) fehlen und somit ein reibungsloser Einsatz innerhalb der gesetzlichen Frist (12 Minuten) oft nicht gegeben ist. Ein Problem sind vor allem fehlende Einsatzkräfte vor Ort, die auch tagsüber alarmiert werden können.

Wanzleben. Für den neuen Feuerwehrbedarfsplan, der nach Pfingsten dem Stadtrat vorgelegt werden soll, musste zunächst eine Risikoanalyse erstellt werden. Diese richtet sich zum einen nach den örtlichen Begebenheiten, der technischen, personellen Ausrüstung der Ortswehren und zum anderen nach den Mindestanforderungen sogenannter Standard-Szenarien für Brände und technische Hilfeleistungen. Dazu wurden die Einsätze der aufgeschlüsselten Wehren der letzten fünf Jahre statistisch ausgewertet. Die Vorgaben für die Erarbeitung der Analyse kamen vom Land Sachsen-Anhalt.

Die Analyse kommt für die Ortswehren zu dem Ergebnis, dass es vor allem an spezialisiertem Personal wie Atemschutzgeräteträger, Maschinisten und Einsatzkräften fehlt, die auch tagsüber einsatzbereit sind.

- Bottmersdorf: Die Ortsfeuerwehr Bottmersdorf ist allein nicht in der Lage, Standardszenarien in den ersten zwölf Minuten (gesetzliche Hilfsfrist) abzuarbeiten. Dies kann aber zumindest bei den technischen Hilfeleistungen (z.B. Verkehrsunfällen) durch die umliegenden Wehren kompensiert werden. Bei Bränden ist dies zumindest in den geforderten 12 Minuten problematischer, da ein Atemschutzgeräteträger fehlt. Des Weitern fehlen Führungs- und Einsatzkräfte, die tagsüber einsatzbereit sind. Die Einsatztechnik muss nicht erweitert werden.

- Domersleben: Auch hier sieht die Analyse Probleme, die Standardszenarien innerhalb der ersten 12 Minuten erfolgreich abzuarbeiten. Hier können aber die umliegenden Wehren bei den technischen Hilfeleistungen und Bränden das Defizit kompensieren. Es fehlen Atemschutzgeräteträger, Maschinisten und außerdem Einsatzkräfte, die tagsüber einsatzbereit sind. Die Einsatztechnik muss aber nicht erweitert werden.

- Dreileben: Die Ortsfeuerwehr kann die Standardszenarien nicht allein in den ersten 12 Minuten abarbeiten und auch keine weitere Feuerwehr der Einheitsgemeinde kann dieses Defizit in der Zeit kompensieren. Es fehlt an Atemschutzgeräteträgern und Einsatzkräften, die auch tagsüber einsatzbereit sind. Die Einsatztechnik ist veraltet und muss dringend durch neue ersetzt werden.

- Eggenstedt: Ähnlich wie in Dreileben kann die Ortsfeuerwehr die Standardszenarien nicht allein abarbeiten und auch keine weitere der umliegenden Wehren kann das Defizit in der vorgegebenen Hilfsfrist kompensieren. Es fehlen auch hier Atemschutzgeräteträger, Maschinisten und Einsatzkräfte, die tagsüber einsatzbereit sind. Die Einsatztechnik ist überaltert und muss zeitnah ersetzt werden.

- Groß Rodensleben: Hier kann das Standardszenario zwar nicht allein in der gesetzlichen Hilfsfrist bewältigt werden, dafür kann das Defizit durch umliegende Wehren ausgeglichen werden. Es fehlen auch hier Atemschutzgeräteträger und Einsatzkräfte, die tagsüber einsatzbereit sind.

- Hemsdorf: Die Ortsfeuerwehr kann die Standardszenarien nicht allein in den ersten 12 Minuten abarbeiten und auch keine weitere Feuerwehr der Einheitsgemeinde schafft es, dieses Defizit in der Zeit zu kompensieren. Es fehlt an Atemschutzgeräteträgern und Einsatzkräften, die tagsüber einsatzbereit sind. Die Technik ist ausreichend.

- Hohendodeleben: Das Standardszenario der technischen Hilfeleistung kann durch die Ortswehr erfolgreich abgearbeitet werden, problematisch ist dies in den ersten 12 Minuten bei der Brandbekämpfung, ein Atemschutzgeräteträger und ein Maschinist fehlen. Die Technik ist ausreichend und muss nicht erweitert werden.

- Klein Germersleben: Während bei der technischen Hilfeleistung die umliegenden Ortswehren das Defizit der Wehr innerhalb der 12 Minuten-Frist ausgleichen können, ist dies bei der Brandbekämpfung nicht möglich. Es fehlen Atemschutzgeräteträger und Einsatzkräfte, die tagsüber einsatzbereit sind. Die Einsatztechnik ist ausreichend.

- Klein Rodensleben: Die Ortswehr kann alleine das geforderte Szenario nicht abarbeiten, kann aber das Defizit mit Hilfe der umliegenden Wehren innerhalb der zwölf Minuten ausgleichen. Es fehlt an Führungs- und Einsatzkräften, die tagsüber einsatzbereit sind. Die Technik ist ausreichend.

- Schleibnitz: Die Ortswehr ist allein nicht in der Lage, die geforderten Aufgaben zu erfüllen. Allerdings können die Defizite durch die umliegenden Ortswehren ausgeglichen werden. Es fehlt an Atemschutzgeräteträgern, Führungskräften und außerdem an Einsatzkräften, die tagsüber einsatzbereit sind. Die Technik muss nicht erweitert werden.

- Seehausen: Die Ortsfeuerwehr ist nicht allein in der Lage die Standardszenarien erfolgreich abzuarbeiten und innerhalb der geforderten zwölf Minuten kann dieses Defizit auch keine andere Wehr ausgleichen. Es fehlt an Atemschutzgeräteträgern, Maschinisten und außerdem an Einsatzkräften, die tagsüber einsatzbereit sind. Die Einsatztechnik ist ausreichend. Es sollte jedoch darüber nachgedacht werden, das alte TLF 16 mit Baujahr 1989 durch ein neues Fahrzeug zu ersetzen.

- Wanzleben: Die Ortsfeuerwehr ist allein in der Lage die Standardszenarien für die technische Hilfeleistung innerhalb der ersten 12 Minuten zu erfüllen. Bei der Brandbekämpfung können Defizite durch umliegende Wehren kompensiert werden. Die Technik ist ausreichend, allerdings stimmt das Alter der Fahrzeuge, vor allem der Drehleiter, des Rüstwagens und des Vorausfahrzeugs bedenklich. Dafür sollte schnellstmöglichst ein Ersatz geschaffen werden.

Fazit zur Technik: Die Ausstattung der Ortsfeuerwehren ist ausreichend. Jedoch müssen noch einige Geräte wie Schiebeleitern (z.B. in Seehausen) beschafft werden. Um personelle Engpässe auszugleichen wurde eine von den Bürgermeistern unterschriebene Alarm- und Ausrückordnung erarbeitet, die in der Rettungsleitstelle hinterlegt ist. "Außerdem muss die Einheitsgemeinde verstärkt etwas dafür tun, um auch tagsüber die Einsatzbereitschaft zu gewährleisten. Eine Möglichkeit dafür wäre der Einsatz von Gemeindearbeitern", erklärt Stadtwehrleiter Burkhardt Wegner.

Zur Löschwasserversorgung kommt die Analyse zu dem Ergebnis, dass sie in 98,6 Prozent der Einheitsgemeinde als ausreichend betrachtet werden kann. Die "weißen Flecken" der übrigen 1,4 Prozent sind in der Dreiersiedlung, Dreileben – Bahnhof Drackenstedt, Bergen und einzelne außenliegende Gebäude. Hier müssen Alternativen geschaffen werden.

Als "problematisch" bezeichnet die Analyse die Ausstattung der Feuerwehren mit hydraulischen Rettungsgeräten für technische Hilfeleistungen. Langfristiges Ziel muss es sein, auf jedem Verkehrsweg innerhalb der Einheitsgemeinde in 12 Minuten nach der Alarmierung ein Rettungsgerät (Schneider & Spreizer, Trennschleifer und Stromerzeuger) zur Verfügung zu stellen.