Oschersleben. Als sich langsam die Tür zum Unterrichtsraum öffnet, beginnt für Metallbau-Azubi Michael Pieper die letzte große Prüfung seiner dreieinhalbjährigen Lehrzeit in den Berufsbildenden Schulen ( BbS ) in Oschersleben. Hier in dem Raum, in dem er in den vergangenen Jahren das nötige Rüstzeug für seinen Beruf erhielt. Hier, wo er nicht nur in der Theorie sein Wissen über Werkstoffe und Arbeitstechniken erweitern konnte, sondern sich auch selbst ausprobieren durfte.

Die praktische Abschlussprüfung, mit der aus dem Lehrling ein Geselle wird, zeigt sich als Herausforderung. " Wir haben das Anforderungsniveau nach oben geschraubt. Auch, damit die Lehrlinge wirklich zeigen können, was sie drauf haben ", erklärt Berufsschullehrer Elmar Wedde. Und dafür wurden weder Kosten noch Mühen gescheut, den Lehrlingen eine anspruchsvolle Aufgabe zu stellen. In etwa drei Jahren Planung, Bau und Abnahme entstand in der Berufsschule am Nickelkulk ein Versuchsaufbau, der es in sich hat. Dem Prüfling bieten sich zwei automatische Tore, wie sie etwa bei Hauseinfahrten zum Einsatz kommen. Eines schwenkt per Hydraulik nach außen auf, das andere wird auf einem Rollband gezogen. Der Lehrling soll nun die elektrischen Anschlüsse so stecken, dass eben diese Technik zum Laufen gebracht wird. " Wenn er mit dem Aufbau fertig ist, überprüft ein Mitglied der Prüfungskommission die Funktionstüchtigkeit ", sagt Wedde. Doch mit dem Öffnen und Schließen des Mini-Tores ist die Prüfung nicht beendet. Im zweiten Schritt muss der Prüfling einen " Kunden " fachgerecht in die Technik einweisen, ihm erklären, wie alles funktioniert. " Aus den Ergebnissen dieser Arbeitsprobe plus dem Gesellenstück und dem Theorieteil ergibt sich in der Summe die Gesamtnote ", rechnet Kristina Oeltze vor. Die Vertreterin der Kreishandwerkerschaft Bördekreis erstellt dann im Anschluss die Abschlusszeugnisse - die begehrten Gesellenbriefe.

Auf einen solchen hat es auch Michael Pieper abgesehen. Doch bevor er im Rahmen der feierlichen Gesellenfreisprechung sein Zeugnis entgegennehmen kann, muss er nun erst einmal alle Stecker richtig positionieren, damit sich das Elektrotor am Ende wirklich bewegt und der Versuch gelingt.

Eine halbe Stunde hat er Zeit, dann begrüßt ihn Gerhard Bethge, Vorsitzender der Prüfungskommission. Der pensionierte Metallbauprofi gleicht die Steckverbindungen von Lehrling Pieper mit der Lösungsskizze ab : " Na, dann wollen wir mal ", sagt der Prüfer gelassen, bevor er dem Aufbau Strom zuführt. Jetzt ist Michael Pieper gefragt. " Nun erklären Sie mir mal, wie das hier funktioniert. " Pieper stellt den Hauptschalter auf Position 0 - jetzt gilt ‘ s ! Er dreht den Schlüssel ... und plötzlich leuchtet eine gelbe Lampe. Langsam setzt sich das Tor in Bewegung. Geschafft ! Alle Stecker sind richtig angeschlossen, alle Sicherheitstechniken laufen einwandfrei.

" Wir sind stolz, dass wir mit diesen Toren den Lehrlingen einen so praxisnahen Versuchsaufbau vorlegen können ", bedankt sich Wedde bei den Finanziers dieser Neuentwicklung. Die Berufsbildenden Schulen hatten gemeinsam mit der Metallbauer-Innung dem Konzept zugestimmt und Geldmittel bereitgestellt. " Das ist großartig ! Jetzt können sich die Jungen wirklich beweisen ", freut sich der Lehrer.

Und bewiesen haben sie sich : Schließlich konnten alle 13 Prüflinge an diesem Tag ihre Gesellenprüfung erfolgreich ablegen. Dazu gehörte neben der praktischen Prüfung natürlich auch der Beleg über theoretische Kenntnisse. Dem Wissenstest schloss sich dann der unstrittige Höhepunkt einer jeden Handwerkerlehre an : Das Gesellenstück. Unterstützt vom Betrieb konnten die Junghandwerker ihrer Fantasie freien Lauf lassen und ihr in den letzten dreieinhalb Jahren erworbenes Wissen in die Tat umsetzen. Und das Ergebnis ließ sich sehen : Ob Gartentor, Grillwagen oder Kartoffelwäsche - die Arbeitsproben bestachen durch Kreativität und Können.

Die Freisprechung der Berufsschulabsolventen findet am 18. März in der Motorsport Arena in Oschersleben statt. Dort wird auch Neugeselle Michael Pieper seinen Gesellenbrief in Empfang nehmen.