Der Startschuss für die Rettung von Haus Gadenstedt ist gefallen. Das geschichtsträchtige Gebäude am Wernigeröder Klint erhält neue Stützmauern, Balken, Fenster und Wärmedämmung. Noch bis 2017 wird das Großprojekt den Eigentümer, die Kirchengemeinde St. Sylvestri und Liebfrauen, beschäftigen.

Wernigerode l Mittlerweile tut sich was an Haus Gadenstedt: Der Riss an der Südseite des denkmalgeschützten Bauwerks am Klint ist verschwunden - und mit ihm die komplette Wand. Die Stützmauer wird derzeit von Mario Falkenhagen und Thomas Löhr aus Wienrode neu errichtet. Die Männer tauschen dabei zahlreiche verfaulte Balken aus und bewahren so das Fundament vor dem Verfall. Im Inneren steht die Sanierung des Saals an. Dort ist die Wandverkleidung entfernt worden. Eine Zwischendecke soll künftig für eine effektivere Wärmedämmung sorgen. Um Rollstuhlfahrern den Zutritt zu erleichtern, wird die Eingangstür versetzt.

Es ist der erste von insgesamt drei umfangreichen Bauabschnitten. Im Sommer sollen die Arbeiten, die rund 274000 Euro kosten, beendet sein. Zur Hälfte werden sie aus dem Stadtsäckel gezahlt, 90000Euro übernimmt die Kirchengemeinde St. Sylvestri und Liebfrauen, die Eigentümer des Hauses ist. Sie zählt 1800 Gemeindeglieder. Finanziert wird der erste Teil des Großprojektes außerdem vom Kirchenkreis (37000Euro) und von der Sparkassenstiftung (10000Euro) - sowie von privaten Geldgebern.

Es sind besonders die Spenden der Wernigeröder, über die sich Siegfried Siegel von der Kirchengemeinde freut. "23000Euro haben wir an Privatspenden und in Kollekten eingenommen", sagt er gegenüber Volksstimme. "Manche haben sich zum Geburtstag Geld für Haus Gadenstedt gewünscht und uns übergeben. Ich hoffe, dass diese Spendenfreude anhält."

Denn Siegel weiß: Die dringend notwendigen Arbeiten an Haus Gadenstedt werden die Gemeindekasse auch die nächsten drei Jahre stark belasten. 860000Euro wird die Sanierung voraussichtlich insgesamt kosten, schätzt der SPD-Stadtrat ein. In einem dicken Aktenordner hat er alle Gutachten, Dokumente, Kostenaufstellungen zu den Arbeiten gesammelt. Seit 2007 bemüht er sich um die Finanzierung. 2012 startete die Gemeinde eine Spendenbriefaktion, die großen Zuspruch fand.

2013 gab die Stadtverwaltung schließlich grünes Licht. "Wir hoffen, dass die Arbeiten bis 2017 abgeschlossen sind", sagt Siegel. In diesem Jahr sollen neue Fenster eingebaut und die Fassaden modernisiert werden. Auch für den Gemeinderaum im ersten Obergeschoss ist 2014 und 2015 eine Komplettsanierung geplant. Kosten für diesen zweiten Abschnitt: 465000 Euro.

2016 wird Siegel zufolge für 115000 Euro eine Wohnung im Obergeschoss wieder hergerichtet. Sie erhält einen separaten Eingang und soll wieder vermietet werden. Zuletzt wohnte der Vikar Armin Roßwang in den Räumen.

Haus Gadenstedt gilt als die Wiege der Stadt - doch der Zustand des Gebäudes auf dem Klinthügel war zuletzt mehr als kritisch. Das Bauwerk, dessen Fundament aus dem 9.Jahrhundert stammt, drohte zu zerfallen, die Wände mussten seit 2012 mit Stützbalken vor dem Zusammenbrechen bewahrt werden. Ein fingerbreiter Riss klaffte an der Rückseite des dreiteiligen Gebäudekomplexes, in dem die Mitglieder der Wärmestube und der Harzer Tafel Bedürftige mit Lebensmitteln versorgen. Das gemeinnützige Frühstück konnte wegen des maroden Zustands des Hauses in den vergangenen Monaten nicht mehr dort ausgerichtet werden, die Vereine mussten auf andere Räume ausweichen.

Haus Gadenstedt wurde im 16. Jahrhundert auf den Grundmauern eines Vorgängerbaus aus dem 9. Jahrhundert neu errichtet. Ende des 19.Jahrhunderts wurde das Haus erstmals komplett saniert und der westliche Gebäudeteil auf den vorhandenen Grundmauern im Stil des Historismus neu errichtet. Die letzten Instandhaltungsarbeiten fanden in den 1990er Jahren statt, als die Dachhaut saniert wurde.

Das Gebäude dient als zentrales Gemeindehaus und Wohnhaus, für Versammlungen, Chorproben und auch für private Feiern.

 

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