Jubel, Trubel, Fußballseligkeit: Die Weltmeisterschaft beginnt am Donnerstag. Doch in Wernigerode wird kein öffentliches Fest auf dem Nicolaiplatz oder Markt angeboten. Ihren Stars zuschauen können Fans im kleineren Rahmen.

Wernigerode l Jubelnde Menschen, die im Freien lautstark ihre Mannschaft unterstützen und fröhlich Fähnchen schwenken: Das wird es in diesem Jahr in der Wernigeröder Innenstadt nicht geben. Wenn am Donnerstag die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien beginnt, wird in Wernigerode kein öffentliches Fußballfest mit Großleinwand gefeiert.

"Ich glaube nicht, dass wir das in Wernigerode überhaupt noch einmal erleben werden", sagt Michael Wiecker. Der Konditormeister hatte zusammen mit Jörg und Christian Wieland vom Hotel "Weißer Hirsch" 2006, 2008 und 2010 zu den Fußball-Welt- und Europameisterschaften das Public Viewing in der Innenstadt organisiert. Christian Wieland und Michael Wiecker sagen: Das ist finanziell nicht mehr zu stemmen.

Bereits zur EM 2012 mussten die Wernigeröder ohne Freiluftparty auskommen. Das Problem waren damals schon die hohen Kosten. "Eine Leinwand kostet für einen Monat 30000 Euro", rechnet Michael Wiecker vor. Ebenso viel fällt für einen LED-Truck an. Auf Technik verzichten, das geht nicht, sind sich Wiecker und Wieland einig.

Bezahlen müssten die Veranstalter außerdem hohe Gebühren an die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) - diese Kosten sind das eigentliche Problem. "Die Gebühren für den Nicolaiplatz sind mittlerweile so hoch, dass sie dem Public Viewing den Todesstoß gegeben haben", sagt Michael Wiecker. Hinzu kommen Gebühren für die Stadtverwaltung. Bei der bisher letzten Fußballparty 2010 summierten sie sich auf rund 2000 Euro. Ohne die Unterstützung der Stadtverwaltung oder eines Großsponsors sei Public Viewing ohne Eintritt nicht zu haben, sagt Christian Wieland.

Für die Fans sei es schade. "Die Stimmung war immer super. Es kann aber nicht sein, dass das gesamte Risiko an unserer Firma und unseren Mitarbeitern hängt", so Wieland. Eine Alternative könnte sein, ein Fest abseits der Innenstadt, etwa auf einem Sportplatz, zu organisieren.

Im kleineren Rahmen können Fußballfans durchaus gemeinsam ihren Stars zujubeln. Auf der Terrasse des Café Wiecker werden sämtliche Spiele übertragen - vom Eröffnungsmatch Brasilien gegen Kroatien am Donnerstag bis hin zum Finale am Sonntag, 13. Juli. Wiecker verspricht, dass seine Gäste die Spiele auf "dem größten Fernseher, den es gibt" in seinem Haus verfolgen können. "Das ist zwar kein Public Viewing, aber es ist immerhin ein Angebot", sagt der Gastronom.

Bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft können Fans zudem in der Kulturarena mitfiebern. Dort werden ab Montag, 16. Juni, wenn Deutschland gegen Portugal antritt, alle Begegnungen der Löw-Elf auf der XXL-Leinwand gezeigt. "Wir rechnen damit, dass die Halle voll wird", sagt Veranstalter Andreas Adelsberger. Einlass ist jeweils eine halbe Stunde vor Anpfiff, der Eintritt ist frei. Eine große Sause ist nicht geplant. "Wir zeigen in erster Linie das Spiel." Weil auf Musik verzichtet wird, halten sich die Gema-Gebühren in Grenzen. "Aber wenn Deutschland ins Finale kommt, dann gibt es eine Finalparty", kündigt Adelsberger an.