Im Wernigeröder Bollhasental sieht Lokalpolitikerin Martina Tschäpe einen touristischen Geheimtipp für Wanderer, die die Idylle einer Bergwiese suchen. Nur ein Makel stört die Biologin: die Hinterlassenschaften der Schafe.

Wernigerode l Idyllisch, fast wie in den Alpen mutet die Bergwiese im Bollhasental in Wernigerode an. Dort zeigt sich die Stadt Wernigerode von einer ihrer schönsten Seiten: Auf der Bollhasenwiese blühen Johanniskraut, Persischer Ehrenpreis, Weißdornbüsche, Knabenkraut, Geranikum, Scharfer Hahnenfuß, Glocken- und Butterblumen, Herbstzeitlose und Hasenpfötchen. Besonders majestätisch: Die Traubeneiche, der Baum des Jahres 2014. Die Wiese ist Heimat für 60 verschiedene Pflanzenarten und als naturnahe Bergwiese ein geschütztes Biotop.

Der Wernigeröderin Martina Tschäpe liegt das Kleinod besonders am Herzen. Täglich spaziert die Biologin zur Wiese und genießt die Fernsicht auf Stadt und Schloss. Nur an einem Detail stört sich die parteilose Politikerin, die für die SPD im Stadtrat sitzt: den Hinterlassenschaften der Schafe.

Sie würden Jahr für Jahr dafür sorgen, dass die Wiese für Wanderer kaum zu betreten sei. Zudem würden die Schafe die Blumenpracht innerhalb weniger Tage bis auf den Stumpf abfressen. Um das Problem zu lösen, hat Martina Tschäpe Kerstin Rieche vom Landschaftspflegeverband Harz, den Umweltschutzbeauftragten Ulrich Eichler, Forstchef Michael Selmikat und Revierförsterin Ursula Möller zu einer Begehung eingeladen.

Zweimal im Jahr - im Juni und im Oktober - würden die Schafe im Bollhasental weiden, sagt Michael Selmikat. Einmal zuviel - findet Martina Tschäpe. Traditionell bedingt müsste die Bergwiese einmal im Jahr gemäht werden, so ihr Vorschlag."Die Wiese ist an einen Schäfer verpachtet. Er erhält eine Förderung für die Fläche, die er von seinen Tieren beweiden lässt", erläutert der Forstamtsleiter. "Man kann ihm nicht einfach einen Streifen wegnehmen." Von der Burgbreite aus gehe der Schäfer über Schmales Tal und Zwölfmorgental zur Bollhasenwiese, bevor er mit der Herde durch das Thumkuhlental zum Mandelholz wandert.

Das Fazit der Experten: Die Schafbeweidung sei die optimale Variante, um die 2,5Hektar große Wiese zu stutzen. Eine Mahd sei viel teurer und umständlicher. "Der Anstieg ist zudem zu steil, um die Wiese zu mähen", sagt Kerstin Rieche. "Für eine Schafbeweidung sieht die Wiese auch nicht schlecht aus." So liege kein Altgras auf der Wiese. Michael Selmikat will in Zukunft darauf achten, dass die Schafe nicht zu lange auf der Wiese weiden. "Wir verkürzen den Abtrieb."

Deutschland sei grundsätzlich Waldland - und die Kulturlandschaft "Wiese" einst extra vom Menschen für Weidetiere eingerichtet worden. "Alles, was wir auf Freiflächen tun, ist gegen die Natur", sagt Selmikat - so auch Mähen.

Mit gekonntem Blick erkennt die Diplomagraringenieurin sofort eine Pflanze, die nicht in die Landschaft passt: Riesenbärenklau. Der Neophyt - eine eingeschleppte Pflanze, die sich aggressiv verbreitet - müsse dringend entfernt werden.

Martina Tschäpe ist überzeugt, dass die Wiese Potenzial hat und stärker touristisch genutzt werden sollte. Sie wünscht sich saubere Wege, die zum Bollhasental führen und eine bessere Ausschilderung dieses idyllischen Kleinods. "Seitdem die Gaststätte in der Harburg geschlossen wurde, ist hier nur noch wenig los." Ob eine Bank aufgestellt werden könnte? "Wo Bänke stehen, muss auch Müll eingesammelt werden", gibt Michael Selmikat zu Bedenken.

Ulrich Eichler erinnert da-ran, dass Wernigerode 2011 den zweiten Platz im Wettbewerb "Bundeshauptstadt der Biodiversität" belegt hatte. "Die Wiese hat eine touristische Bedeutung, allein schon, weil sie vom Schloss aus so gut zu sehen ist", sagt der Umweltbeauftragte. "Wir haben hier zum Glück eine positive Situation vorgefunden, die wir so erhalten möchten."

   

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