Mit einem Kunstwerk soll die Integration psychisch Erkrankter gefördert werden. Angefertigt worden ist es von Patienten der Blankenburger Klinik. Sie geben dem Betrachter so einen Einblick in ihre Gefühle, Gedanken und Wünsche.

Blankenburg l Im Blankenburger Thiepark gibt es ein neues Kunstwerk zu bewundern: Drei Säulen, bestehend aus 38 Reliefplatten. Angefertigt wurden sie nicht von Künstlern. Es sind Arbeiten von Laien mit erschwerten Voraussetzungen: Sie alle sind psychisch erkrankt und sind oder waren Patienten im Blankenburger Fachklinikum.

"Zu jeder der Platten gibt es eine Geschichte", berichtet Sabine Eipel. Die Ergo- und Kunsttherapeutin ist seit 17 Jahren im Harzklinikum angestellt. "Ich finde es spannend und wertvoll, Menschen auf ihrem Lebensweg zu helfen", berichtet die 38-Jährige. Die Zusammenarbeit mit psychisch Erkrankten sei eine besondere Herausforderung. "Man muss sich jederzeit neu auf sein Gegenüber einstellen. Was heute funktioniert, muss morgen nicht auch klappen", erläutert die Therapeutin.

Einige der Patienten, unter ihnen chronisch Depressive und Drogensüchtige, leiden an Antriebslosigkeit, sind unfähig etwas zu tun, berichtet Eipel. "Ein Baustein zu ihrer Genesung ist es, ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Sie sollen sehen, zu was sie fähig sind." Der Fokus läge in der Kunsttherapie darauf, die Ressourcen zu stärken. "Und nicht auf den Einschränkungen, mit denen die Patienten zu kämpfen haben", betont Sabine Eipel.

Deshalb hat sie das Projekt "Lebenskraft/Lebensraum" ins Leben gerufen. 70 Patienten im Alter zwischen 19 und 60 Jahren waren daran beteiligt. "Sie können stolz drauf sein, etwas erschaffen zu haben", schätzt die Therapeutin ein.

Begonnen hat das Projekt mit Skizzen der Patienten. Dabei sei es nicht um Schönheit gegangen, sondern um Emotionen. "Sie haben ihre Gedanken und Gefühle zu Lebensfreude, zu sozialen Kontakten, Partnerschaft oder zu verschüttgegangenen Hobbys dargestellt", erläutert die Kunsttherapeutin. Ein Notenschlüssel zum Beispiel ist der Entwurf eines eigentlich leidenschaftlichen Musikers, dem es durch seine Erkrankung jedoch nicht mehr möglich ist, sich auf sein Ins-trument, die Geige, zu konzentrieren.

Im nächsten Schritt wurde das Modellieren mit Ton geübt, bevor die Platten selbst aus Beton gegossen und mit den Motiven verziert wurden.

Zwei Jahre lang dauerte es von der Idee bis zur Aufstellung im Thiepark. Genehmigungen mussten eingeholt und die Finanzierung gesichert werden. Unterstützung gab es von der Klinikleitung, der Stadt und vom Blankenburger Verein Lebenskraft, dessen Hauptanliegen es ist, psychisch kranken und seelisch behinderten Menschen bei der Integration in das alltägliche Leben zu unterstützen.

Das gleiche Anliegen - die Integration und Akzeptanz für Erkrankte - verfolgt das Klinikpersonal. "Der Thiepark wird von vielen Blankenburgern als Ort der Entspannung genutzt. Ich hoffe, dass sie sich beim nächsten Besuch für das Kunstprojekt und dessen Inhalte interessieren", sagt Sabine Eipel.

Der Thiepark sei noch aus einem weiteren Grund der richtige Ausstellungsrahmen, berichtet Chefarzt Dr. Wolf-Rainer Krause. "Es ist der Ort, der 1865 dafür auserkoren war, die erste offene Psychiatrie in Deutschland zu gründen", erläutert der Mediziner.

Infos zum Verein Lebenskraft sowie Beratungs- und Anlaufstellen unter www.lebenskraft-harz.de