Mit einer traurigen Nachricht sind die Nachwuchsköche in das Schuljahr gestartet. Der bundesweite Wettbewerb, an dem sich die Wernigeröder Thomas-Müntzer-Schule seit Jahren erfolgreich beteiligt, fällt aus. Der Grund: Es fehlen Sponsoren.

Wernigerode l So hatten sich Lea Gundlach, Niclas Kampe, Antonia Fessel, Amira Kunze und Angelina Meyer den Start ins neue Schuljahr nicht vorgestellt: In diesem Jahr fällt das Wettkochen der Schulen um den Erdgaspokal aus. Im vergangenen Schuljahr hatte sich das Team der Wernige- röder Sekundarschule "Thomas Müntzer" den Landessieg und einen vierten Platz auf Bundesebene erkocht.

"Das wäre unsere letzte Chance gewesen, einen Platz auf dem Treppchen zu erreichen", sagt Neuntklässlerin Antonia Fessel. "Wir hatten schon damit begonnen, uns vorzubereiten", ergänzt der 13-jährige Niclas Kampe. "In diesem Jahr wollten wir siegen." Die jungen Köche sind enttäuscht.

Sogar das Thema des Wettbewerbs habe festgestanden. Wie Lehrerin Martina Fölsch sagt, sollte diesmal unter dem Motto "Date mit den Nachbarn" ein Menü zubereitet werden. Die Schüler und ihre Betreuer haben sich für tschechische Rezepte entschieden. Der Kontakt zu einer Köchin war bereits aufgenommen. Sie sollte den Schülern bei der Übersetzung helfen und Tipps geben.

"Wir hatten schon damit begonnen, uns vorzubereiten."

Niclas Kampe, Schüler

Eine E-Mail von den Organisatoren des Schülerkochwettbewerbs an Martina Fölsch setzte den Vorbereitungen jedoch ein jähes Ende. Ihr Inhalt: Der Wettstreit findet nicht statt. "Zu meinem Bedauern mussten wir dieses Jahr absagen", bestätigt Wettbewerbskoordinator Lutz Lange gegenüber der Volksstimme. "Es hat sich in den meisten Bundesländern niemand gefunden, dem es wert war, Geld dafür zu investieren."

Sind noch im vergangenen Schuljahr die besten Schülerköche aus 14 Bundesländern gegeneinander angetreten, wird dieses Mal, bei der 18. Auflage des Pokals, nur in einem Land um die Wette gekocht. "Lediglich in Thüringen haben sich Sponsoren gefunden", sagt Lange. Dies sei schon deshalb schade, weil eine Zielstellung der Wettbewerbsinitiatoren gewesen sei, Jugendliche für eine Berufsausbildung in der Gastronomie zu begeistern. Eine Branche, in der seit Jahren die Anzahl der freien Stellen höher ist, als die der Bewerber.

Es ärgere Lange, dass es seitens der Politik nicht mehr Unterstützung gibt. "Als Rechtfertigung dafür wird uns von den verantwortlichen Stellen vorgeworfen, dass der Wettbewerb pro Schule nur vier Schüler anspricht. Aber das stimmt nicht", so der Organisator. Im Rahmen des Kochwettstreits beschäftigen sich ihm zufolge ganze Klassenstufen ausführlich mit Themen wie gesunder Ernährung, Nachhaltigkeit und regionalen Lebensmitteln. Gerade in Wernigerode sei dies der Fall. So haben die Müntzer-Schüler erst vor wenigen Tagen einen Einkaufsführer vorgestellt, der aufzeigt, wo in der Region nachhaltige Produkte erworben werden können.

Der Herd in der Schulküche soll trotz Wettbewerbs-Aus nicht kalt bleiben. "Wir machen weiter", versichert Martina Fölsch. Die Lehrerin betreut seit gut sechs Jahren die Schülerköche, die bereits dreimal den Bundessieg erkochten. Zwar bedeute die Vorbereitung für die Teilnehmer Stress, aber aufzugeben käme nicht infrage. Deshalb ist die Idee entstanden, einen Harzer Kochpokal ins Leben zu rufen.

"An dem Wettbewerb auf Landesebene haben sich immer mehrere Schulen aus der Region beteiligt. Vielleicht haben sie Interesse", so Martina Fölsch. "Jetzt muss geklärt werden, wer sich beteiligen will, wer die Organisation übernimmt und wie der Wettbewerb finanziert werden soll." Die Lehrerin hofft auf Unterstützung der langjährigen Helfer und Sponsoren des Wernigeröder Teams.

"Wenn ein Harzer Wettstreit ausgerichtet wird, stiften wir den Pokal."

Ulrich Senge, Landkreis Harz

Schützenhilfe soll es von der Kreisverwaltung geben. "Wenn ein Harzer Wettstreit ausgerichtet wird, stiften wir den Pokal und sorgen dafür, dass es einen Preis gibt", kündigt Ulrich Senge an. Der Jugenddezernent führe dazu Gespräche mit Landrat Martin Skiebe (CDU). "Es ist noch nichts Definitives. Aber es würde mich freuen, wenn es für die Kinder zumindest im kleineren Rahmen weitergeht", so Senge. "Sie waren mit so viel Freude dabei und haben fleißig geübt, das sollte jetzt nicht so abrupt enden." Es sei eine "Sauerei", dass so viel Geld in unterschiedliche Bereiche fließe, während sich niemand fände, der in diese sinnvolle Vorbereitung auf das Berufsleben investieren möchte.