Eine Dauerbaustelle in Hasselfelde bewegt die Gemüter: Seit dem Frühjahr sind Anwohner im Moorbruch faktisch eingezäunt. Der Bau steht still, weil die Stadt kein Geld hat. Ein Spaßvogel klebte schon die Naturschutz-Eule an den Bauzaun.

Hasselfelde l Sie wisse fast schon nicht mehr, wie Flüsschen und Straße ohne den hässlichen Bauzaun mittendurch aussehen, sagt Annedore Bleßmann. Die Harzerin wohnt in der sonst schön anzusehenden Straße Moorbruch.

Dort war Anfang des Jahres begonnen worden, die Stütz- und Ufermauer des Flüsschens Selle zu sanieren. Doch mittendrin wurde abgebrochen und seitdem nicht wieder angefangen. "Allein der Sandhaufen sieht aus wie ein wildes Rapsfeld", sagt Frau Bleßmann. Und ständig dieser Zaun vorm Haus - das nerve langsam sehr, sagt sie auch im Namen mehrerer Anwohner im Moorbruch. Einer hat wegen der üppigen Vegetation auf dem Bausandhaufen schon eine Naturschutzeule an den Zaun geklebt.

Genervt ist auch Oberharz-Bauamtsleiter Dieter Bock. Auch er würde lieber heute als morgen diese Baustelle zu Ende bringen lassen. Doch es fehlt der Kommune das Geld. "Ich kann erst einen Auftrag an die Baufirma auslösen, wenn ich das Geld habe, um die Bauleute zu bezahlen, anders geht es nicht", so Bock. Er warte praktisch auch schon seit Monaten darauf, die Arbeit fortzusetzen. Eine Ideallösung sehe anders aus.

Wann Geld fließen und die Arbeit für einen schönen Flusslauf wieder möglich wird, kann der Bauamtsleiter nicht sagen. Auch Stadtbürgermeister Frank Damsch (SPD) hält sich mit Zusagen zurück. "Es ist bedauerlich, dass es so ist und nicht weitergeht, da bitte ich die Anwohner um Verständnis", sagt der Bürgermeister auf Nachfrage. Die Verwaltung Oberharz bemühe sich täglich um Lösungen mithilfe der Landesregierung.

Dazu war Damsch auch gestern zu Gesprächen in Magdeburg. Die jüngsten Sparbeschlüsse des Stadtrates (Volksstimme berichtete) würden die Bemühungen um Finanzhilfen stützen, so Damsch. Wann aber grünes Licht auch für solche gestoppten Bauarbeiten wie im Hasselfelder Moorbruch gegeben werden kann, sei weiter offen.

"Schön und gut oder eher nicht gut", sagt Anwohnerin Bleßmann. "Aber muss der Bausandhaufen so aufblühen, und was wird, wenn Schnee fällt?". Den haben die Anwohner immer auf die Wiese vor dem Haus geschippt. Da aber steht der Bauzaun. Und keiner weiß, wie lange noch.

 

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