Seit über einem Jahr wird daran gearbeitet, die Kosten bei der Klinikreinigung in Wernigerode und Blankenburg zu senken. Derzeit befindet sich die Abteilung in einer Übergangsphase, die am 30.Juni 2015 endet. Offen ist, wie es danach für die 33 Mitarbeiter weitergeht. Die Ungewissheit zehrt an den Nerven der Betroffenen.

Wernigerode l Die Hausreinigung im Blankenburger und Wernigeröder Teil des Harzklinikums "Dorothea Christiane Erxleben" wird seit dem 1.Oktober neu organisiert. Mitarbeiter der Reinigungsfirma Gegenbauer strukturieren den Service um, ermitteln unter anderem den Reinigungsbedarf, legen die zu reinigenden Flächen fest und optimieren Abläufe. Das teilte Dirk Strobl, Betriebsratsvorsitzender im Harzklinikum, auf Volksstimme-Anfrage mit. Seine Stellungnahme sandte er übrigens parallel auch der Pressestelle der Klinik-Geschäftsleitung zu - "wie gewünscht", so Strobl.

Die aktuelle Übergangsphase dauert bis zum 30. Juni 2015. Bis dahin erhalten die 33 Frauen der Reinigungsabteilung wie bisher Stundenlöhne von bis zu zwölf Euro. Mit ihnen will Dirk Strobl Einzelgespräche führen, in denen sie ihre Vorstellungen für die Zeit nach dem 30.Juni2015 äußern können, heißt es.

Ziel der Neuorganisation unter der Regie des "externen Beratungsunternehmens" Gegenbauer sei es, eine "höhere Qualität und Effizienz" zu erreichen und die Hausreinigung zu modernisieren, teilt der Sprecher des Klinikums mit. Deshalb werde auch in neue Geräte investiert. Die Kosten für die Hausreinigung lägen gegenwärtig im bundesweiten Vergleich deutlich über dem Durchschnitt. Laut Angaben der Geschäftsführung vom Dezember 2013 gibt das Harzklinikum etwa 1,5 Millionen Euro pro Jahr für die Reinigung in Wernigerode und Blankenburg aus.

Das Reinigungspersonal befürchtet derweil, dass es nach der Übergangsphase betriebsbedingt die Kündigung erhält und die Firma Gegenbauer anschließend die Reinigungsleistungen übernimmt, sagt eine Betroffene gegenüber der Volksstimme. "Bis Ende Juni 2015 bleiben wir noch beschäftigt und dann wird vermutlich unsere komplette Sparte von der Gehaltsliste der Klinik gestrichen", befürchtet Carmen Förster*. Ihren richtigen Namen möchte sie aus Angst vor Repressalien nicht nennen.

Bereits ab 1.November sollen die Frauen wöchentlich weniger Stunden arbeiten. Das sei ihr und weiteren Mitarbeiterinnen in einer kurzfristig anberaumten Sitzung im September mitgeteilt worden, so Carmen Förster. "Wir haben in der Versammlung ein Papier mit einem Ablaufplan und den einzelnen Eckdaten erhalten." Sie zählt auf: "Ab dem 1.November geringere Arbeitszeiten, ebenfalls ab 1.November Einzelgespräche mit Änderungsangeboten. Bis zum 15.November Bedenkzeit, ob wir die Arbeitsvertragsänderungen unterschreiben. Und ab dem 16.November Einführung sogenannter Arbeitszeitkonten."

In einer Pressemitteilung des Harzklinikums ist die Rede von einer "sozialverträglichen Verringerung der Wochenarbeitszeit". Carmen Förster sieht das anders: "Man will uns langsam mürbe machen, damit wir von alleine kündigen. Wir haben Frauen im Team, die Angst haben und sich nicht wehren können." Die Ungewissheit, wie viele Mitarbeiter nach der Übergangsphase weiter reinigen dürfen, sei groß. "Wir fühlen uns schlecht informiert und sind enttäuscht, vor allem vom Betriebsrat", sagt sie.

Bereits seit Dezember 2013 ist für das Reinigungspersonal an den Standorten Blankenburg und Wernigerode unklar, wie es beruflich weitergeht (die Volksstimme berichtete mehrfach). So wollte die Klinikleitung zunächst den Reinigungssektor an das Tochterunternehmen "Proklin Service" übergeben, um Kosten zu sparen.

"Man will uns langsam mürbe machen, damit wir von alleine kündigen. Wir haben Frauen im Team, die Angst haben und sich nicht wehren können."

Reinigungsmitarbeiterin im Harzklinikum Wernigerode

Das Reinigungspersonal in der Klinik in Quedlinburg ist bereits seit 2003 unter dem Dach dieser Firma beschäftigt und wird im Gegensatz zu den Kollegen in Blankenburg und Wernigerode nicht nach dem Tarif für den öffentlichen Dienst bezahlt, sondern erhält den Mindestlohn im Reinigungsgewerbe. Dieser liegt seit 1. Januar 2014 bei 7,96 Euro pro Stunde. Zum Vergleich: Carmen Förster arbeitet über zehn Jahren im Harzklinikum und verdient nach Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes etwa zwölf Euro pro Stunde, wie sie sagt.

Eine Volksstimme-Anfrage an die Firma Gegenbauer, ob das Unternehmen nach dem 30. Juni 2015 die Reinigung im Harzklinikum als Dienstleister übernimmt, blieb unbeantwortet. "Aus unserem Unternehmensbereich wird keine Auskunft zu diesem Thema gegeben", erklärte eine Mitarbeiterin der Gegenbauer-Niederlassung in Halle und verwies auf die Geschäftsleitung des Harzklinikums.

Weder Klinikleitung noch Betriebsrat haben die Volksstimme-Anfrage, ob das Reinigungspersonal nach dem 30. Juni 2015 weiterbeschäftigt wird, beantwortet. Zu einer möglichen Übernahme durch die Firma Gegenbauer gab es ebenfalls keine Auskunft.

Zahlreiche Kolleginnen seien mittlerweile krankgeschrieben, sagt Carmen Förster, "weil man uns gegen die Wand spielt. Wir sind kaputt, mit den Nerven am Ende."

*Name geändert