Eine Abordnung des Vereins "Blankenburg hilft Tschernobyl" ist bereits wieder nach Weißrussland gereist. Dort werden jene Kinder ausgesucht, die sich im nächsten Sommer im Harz erholen können.

Blankenburg l Marie Foltis (12) und Anne Nickell (14) sind die beiden jüngsten Mitglieder des Vereins "Blankenburg hilft Tschernobyl". Während Marie Foltis schon seit jeher enge Verbindungen zum Verein hat - ihr Vater René ist einer der Aktivsten - kam Anne Nickell über ein Schülerpraktikum bei der Harzer Volksstimme mit der Gruppe in Kontakt. Im Sommer begleitete sie die weißrussischen Kinder, die sich auf Einladung der Blankenburger im Harz erholten, bei einigen ihrer Ferienaktionen mit der Fotokamera. Dabei zeigte sie sich dermaßen von der ehrenamtlichen Arbeit beeindruckt, dass sie unbedingt selbst aktiv werden wollte. Inzwischen ist sie Mitglied im Verein und Teil der kleinen Abordnung, die sich aktuell in den Orten Reschitza und Struga jene Mädchen und Jungen aussucht, die im nächsten Sommer in den Harz geholt werden sollen.

Zur Jahreshauptversammlung machte René Foltis deutlich, dass der Verein bei der Auswahl der Kinder ein großes Stück vorangekommen ist. "Wir können selbst Einfluss darauf nehmen", erklärte das Vorstandsmitglied. So werden die Mädchen und Jungen rein nach sozialen Kriterien ausgesucht.

Dank an die Förderer

Zur Jahreshauptversammlung im Georgenhof informierte Schatzmeister Hans-Joachim Zauske darüber, dass nach mehreren Fernseh-Beiträgen des ZDF über den Verein Spenden aus der gesamten Bundesrepublik eingegangen sind. "Einige haben spontan Geld überwiesen. Andere, die gleich dauerhaft spenden und Patenschaften übernehmen wollten, haben sich allerdings nicht mehr gemeldet", erklärte er enttäuscht. Positiv sei aber, dass der kleine Verein mit seinen Hilfsaktionen überregional ins Licht der Öffentlichkeit gerückt und Interesse geweckt wurde. "Es wäre schön, wenn auch unsere Mitgliederzahl steigen würde", bekannte Vereinsvorsitzender Mirko Gent. Sein Wunsch seien 100 Mitstreiter. Dann wäre allein aus den Beiträgen der jährliche Ferienaufenthalt von Kindern aus dem strahlenverseuchten Gebiet unweit des Unglücksreaktors von Tschernobyl zu einem Großteil gesichert.

Umso mehr dankten Gent und Zauske Vereinsvize Roswitha Zimmermann, die sich alljährlich "rege und hartnäckig" um Sponsoren kümmert und "Klinken putzt", um Geld für den vierwöchigen Erholungsurlaub der Kinder zu sammeln. Ein großes Dankeschön richteten sie an die Harzer Verkehrsbetriebe, ohne die der Transport von Weißrussland in den Harz sowie innerhalb des Harzkreises nicht möglich wäre, das Jugendzentrum im Georgenhof sowie an den Großküchenbetreiber Peter Volmer, der wieder die Essenversorgung übernommen hatte.

Zu den Höhepunkten des jüngsten Ferienaufenthalts zählte der Vorstand neben den anstrengenden Dreharbeiten des ZDF in Schierke die Fahrt auf den Brocken, die traditionellen Aufenthalte in Benneckenstein und im Hasseröder Ferienpark sowie den Zoo-Besuch in Magdeburg. Besonders positiv empfanden sie die Zusammenarbeit mit den Gasteltern. "14 Familien haben sich für das nächste Jahr bereits angemeldet", freute sich Mirko Gent. Damit ist schon jetzt der Aufenthalt von 15 Kindern und zwei Betreuern möglich.

Ende Dezember soll endgültig entschieden werden, ob ein neuer Aufenthalt organisiert werden kann. Ausschlaggebend ist dann allein, ob der Verein das notwendige Geld zusammenbekommt. Der Ferienaufenthalt kostet ihn etwas mehr als 10 000 Euro.