Bürger, Rat und Vermieter in Hasselfelde machen mobil gegen eine mögliche Schließung des Waldseebades. Auch die Übernahme durch einen Verein wie in Rübeland wird abgelehnt. Die Mehrheit im Stadtrat Oberharz ist jedoch dafür. Montag tagt der Ortschaftsrat.

Hasselfelde l Während sich in den Orten Elend und Rübeland Vereine über ihr erstes Jahr als gemeinnützige Betreiber der dortigen Freibäder austauschen, spitzt sich die Lage in Hasselfelde zu.

Hatten schon jüngst im Stadtrat Bürgermeister Heiko Kaschel (parteilos) und Thomas Pöttmesser von der Bürgerfraktion gegen die Abgabe des Waldseebades an einen Verein protestiert, so warnt jetzt die Eigentümergemeinschaft des Naturerlebnisdorfes Blauvogel vor - aus ihrer Sicht - Fehlentscheidungen zum Freibad.

Blauvogel ist der Name eines von mehreren Feriendörfern in Hasselfelde. Die Eigner zahlen nach eigenen Angaben rund 50 000 Euro Kurtaxe jährlich in die Stadtkasse. Dazu jedes Jahr ein Pauschale von gut 1900 Euro dafür, dass Blauvogel-Gäste freien Eintritt ins nahe Waldseebad haben, wie aus einem der Volksstimme vorliegenden Brief an den Ortsrat Hasselfelde und die Stadtverwaltung Oberharz hervorgeht.

Sollte das Waldseebad geschlossen werden, heißt es weiter, sei "ein dramatischer Gästerückgang von 20 Prozent" in Hasselfelde insgesamt zu erwarten, mithin 20 000 Euro Kurtaxe weniger im Oberharzer Stadtsäckel. Blauvogel-Eigner sähen für 2015 geplante Investitionen in Höhe von 400 000 Euro gefährdet. Und eine Übernahme mit Rasenschnitt, Reparaturen etc. durch einen Verein ist laut Blauvogel-Vertreter Wolfgang Henrichs fraglich. Das Bad solle am besten bei der Stadt bleiben. Das Problem dabei: Das Bad ist nicht zu bezahlen, die Änderung der Bäderstruktur in Hasselfelde steht faktisch fest.

Gegen Stimmen auch aus Hasselfelde habe der Stadtrat die Einsparung von 20 000 Euro Aufwand im Waldseebad für 2015 bereits beschlossen, inklusive 10 000 Euro Zuschuss für jene, die das Bad betreiben und erhalten, betont Stadtbürgermeister Frank Damsch (SPD).

Er bekräftigte das Ziel der Oberharzstadt, im Zuge der Haushaltskonsolidierung nach und nach alle Freibäder an Vereine zu geben und sich auf den Erhalt der Schwimmhalle in Benneckenstein als Angebot mit besonderer touristischer Bedeutung zu konzentrieren.

Diesen Weg des Sparens haben nicht zuletzt Landesregierung wie Kommunalaufsicht gefordert. Aus Sicht von Hasselfeldes Ortschef Heiko Kaschel und Ortschaftsratsmitgliedern ist er jedoch nicht begehbar.

"Unser Bad ist viel zu groß, hat allein 10 000 Quadratmeter Wasserfläche und einen Sprungturm als Alleinstellungsmerkmal, das ist über einen Verein nicht zu händeln", so Kaschel. Das Bad mit seiner Geschichte seit 1922 sei stets eine Perle gewesen und müsse städtisch bleiben.

Stadtchef Damsch sagt indes: "Was mit dem relativ komplizierten Bad in Rübeland gelingt, muss doch auch in Hasselfelde möglich sein." Am Engagement der Bürger sei ablesbar, was ihnen der Erhalt des Freibades letztlich wert ist.

Hasselfeldes Ortschaftsrat tagt am Montag ab 19.30 Uhr im Dienstleistungszentrum.

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