Das Internet in Wernigerode soll schneller werden. Die Stadtverwaltung will deshalb Geld vom Land für den Breitbandausbau. Berater sollen helfen, die entsprechenden Anträge vorzubereiten.

Wernigerode l Neulich hat Hagen Bergmann die Karten für sein Navigationsgerät auf den neuesten Stand gebracht. "Zweieinhalb Tage hat es gedauert, die Daten herunterzuladen", berichtet der Wernigeröder. Seinen Nachbarn im oberen Mühlental geht es nicht besser. Per Kabel erreicht die Datenübertragung nur eine Geschwindigkeit von 380 kbit - zum Vergleich: Die niedrigste Datenübertragungsrate, die Bergmann bei seinem Anbieter wählen kann, sind 1000kbit. "Man kann zwar das Internet nutzen, doch gerade abends, wenn viele online sind, ist es sehr langsam", sagt Bergmann. "Das ist einfach nervig."

Die Breitbandversorgung per Kabel hinkt vielerorts in der Stadt hinterher, das weiß auch Hans-Martin Schulze. Der Projektmanager Breitband beim Wernigeröder Beratungsunternehmen HarzOptics hat in der jüngsten Sitzung des Wirtschaftsausschusses dargestellt, wie die Stadt dem Netz mit Landeshilfe auf die Sprünge helfen kann.

Bis 2020 will Sachsen-Anhalt den Breitbandausbau fördern - und diesmal könnte auch Wernigerode zum Zug kommen. Die Grundausbauförderung, die 2010 und 2011 vergeben wurde, war auf den ländlichen Raum zugeschnitten. Die Ortsteile profitierten, die Innenstadt hingegen nicht, weil sie mehr als 10000Einwohner hat.

Neuer Anlauf für Förderung

Nun nimmt die Verwaltung erneut Anlauf. "Es geht um eine Willensbekundung, dass die Stadt in den nächsten Jahren Förderung für den Breitbandausbau in Anspruch nehmen will", sagte Wirtschaftsförderer Ralf Quednau im Wirtschaftsausschuss. Ausschuss wie Stadtrat haben HarzOptics beauftragt, einen Antrag an das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten mit vorzubereiten. Das An-Institut der Hochschule Harz ist vom Land zertifiziert. Zuvor muss festgestellt werden, dass in Wernigerode ein "Marktversagen" vorliegt, erläutert Hans-Martin Schulze. Das bedeutet, dass sich kein Unternehmen bereit erklärt, das Breitbandnetz ohne staatliche Förderung auszubauen. Eine entsprechende Ausschreibung muss zwei Monate lang im Internet bei Staatskanzlei und Stadtverwaltung verfügbar sein. "Wenn sich niemand meldet, müsste sich die Stadt für eine Form der Förderung entscheiden", so Schulze.

Unternehmen oder Stadt

Zwei Möglichkeiten stehen zur Wahl. Entweder könnte ein Anbieter ein Netz aufbauen, das in seinem Besitz verbleibt. Gefördert wird dann die sogenannte Wirtschaftlichkeitslücke - das ist die Differenz zwischen den Kosten für den Ausbau und den Einnahmen über fünf bis sieben Jahre. 20Prozent davon müsste die Stadt zuschießen.

Oder die Kommune könnte selbst ein Leerrohrnetz bauen und ein Unternehmen finden, dass dieses mietet. Der Ausbau wird komplett gefördert, sagt Schulze - einschließlich der Deckungslücke, also der Differenz zwischen Ausgaben und Mieteinnahmen. Die Kommune habe keine Mehrkosten, dafür aber eine Infrastruktur, die ihr gehöre.

Zwar können bereits jetzt im Stadtgebiet von Wernigerode Übertragungsraten von bis zu 21,5 mbit erreicht werden - per Funk. Diese Art der Versorgung sei bei den Nutzern nicht beliebt, erklärt Hans-Martin Schulze. Der Grund: Anbieter begrenzen via Funk die Datenmengen. Sind fünf oder zehn Megabyte heruntergeladen, wird die Geschwindigkeit auf den niedrigen Standardwert gedrückt, den Kabelkunden haben.

Bisher wurde dennoch Internet via Funk als Grundversorgung betrachtet, so Schulze - auch vom Gesetzgeber. "Wenn in der Nähe ein LTE-Mast stand, der 2500 kbit liefert, ist das Gebiet aus der Förderung herausgefallen." Das hat sich nun geändert, zumal für viele Geschäftskunden Funk keine Alternative zum Kabel ist.

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