Produktion in der Schule: Nach Unterrichtsschluss konstruieren Gymnasiasten ihr Maskottchen am Computer, das anschließend ein 3D-Drucker herstellt. Noch ist dies Zukunftsmusik, aber vielleicht nicht mehr lange.

Wernigerode l Physik und Chemie sind nicht unbedingt die Lieblingsfächer von Franziska Lärm. Aber wie ein 3D-Drucker funktioniert, dass wollte die 16-Jährige unbedingt wissen und testet ihr Geschick in einem Konstruktionsprogramm am Computer aus. Dass sie eigentlich schon Schulschluss hätte, ist da nebensächlich. "Versuche es mal so, dann müsste es klappen", gibt ihr Vincent Voigt Hilfestellung. Der 19-Jährige ist an Technik interessiert und kann sich vorstellen, nach der Schule Physik zu studieren.

Wie er das Wissen später beruflich anwenden kann, wurde dem Schüler kürzlich im Wernigeröder Stadtfeldgymnasium gezeigt. Der Arbeitskreis "Schülergießerei Harz", eine gemeinsame Initiative des Vereins "Lernstatt" Wernigerode mit dem Teutloff Bildungszentrum, hat zur Vorführung eines 3D-Druckers in die neue Aula der Schule eingeladen.

"Das Thema 3D-Druck hat in den letzten Jahren enormen Aufschwung genommen. Die Branche bietet eine breite Palette für die Berufswahl - ob für Designer, Chemiker oder Physiker", sagt Bernhard Duve von "Lernstatt". Ziel des Projekts sei es, schon in der Gymnasialstufe Interesse für diese Berufsfelder zu wecken. "Die Jugendlichen sollen mit klaren Vorstellungen in ihr Studium oder Berufsleben starten", so Duve. Durch die praxisorientierten Projekte von "Lernstatt" soll die Anzahl von Studien- oder Lehrabbrechern verringert werden. "Und wir wollen nachhaltig mit Unternehmen der Region zusammenarbeiten und gemeinsam Jugendliche von hier zu Fachkräften heranwachsen lassen."

Bei der einmaligen Vorführung soll es nicht bleiben - für Schüler, die Gefallen am Thema 3D gefunden haben, werden regelmäßig Treffen im Teutloff Bildungszentrum stattfinden. "Forschungsgeld" für das Projekt hat die Stadtwerkestiftung Wernigerode bereitgestellt. 2100 Euro hat die Institution gespendet.

Neugierig auf das Thema ist auch Steffen König geworden. Der Physik- und Wirtschaftslehrer am Stadtfeldgymnasium unterstützt das 3D-Projekt nach Schulschluss. "Ich hoffe, dass einige Schüler dadurch ihre Freizeit sinnvoll gestalten." Er könne sich gut vorstellen, dass künftig eine 3D-Schüler-Firma gegründet wird, die zum Beispiel Anhänger mit Schulmaskottchen "Karli" herstellt.